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Landesarchiv Nordrhein-Westfalen (Rheinland)

Allgemeine Informationen

Status: in Nutzung

Bauweise / Bautyp

Funktion / Nutzung: Archiv

Lage / Ort

Lage: , ,
Adresse: Schifferstraße 30
Koordinaten: 51° 26' 14.03" N    6° 45' 29.17" E

Technische Daten

Derzeit sind keine technischen Informationen verfügbar.

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Aufgabenstellung des Bauherren:

Im Duisburger Hafen steht Europas größtes Archivgebäude: Ein unter Denkmalschutz stehendes, ehemaliges Silogebäude aus den 1930er Jahren wurde umgebaut und erweitert. Das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen soll Unterlagen übernehmen, erschließen, erhalten, erforschen und veröffentlichen sowie der Nutzung durch Dritte zugänglich machen. Dabei gilt es, die Lebenszykluskosten zu minimieren, unter Verwendung nachhaltiger Materialien, und die Energieeffizienz zu optimieren. Gleichzeitig soll das Gebäude nicht nur den Eingang zur Altstadt markieren, sondern eine Landmarke für das ganze Ruhrgebiet darstellen. An dieser exponierten Stelle werden sowohl eine signifikante, zeichensetzende Bebauung wie eine sensible Einbindung des Neubaus in die bestehende bauliche Substanz verlangt: Bei der Revitalisierung des Speichergebäudes zu einem modernen Ansprüchen genügenden Gebäude zur „Speicherung“ des Archivgutes gilt es, das Potenzial und den Charme der Substanz zu wecken und behutsam um einen Neubautrakt zu einem harmonischen Ensemble zu ergänzen.

Beschreibung der Haupttragkonstruktion:

Schon im Wettbewerbsentwurf entwickelten die Architekten von O&O Baukunst gemeinsam mit den Ingenieuren von osd die zentrale Idee, einen „Speicher im Speicher“ zu bauen und den Neubau als Turmbauwerk in das bestehende Speichergebäude zu integrieren. Im Zuge der Planung wurden mit der Wahl des Archivsystems die Verformungsbegrenzungen auf l/1000 erhöht: Statt der ursprünglich vorgesehenen reinen Stahlbetonkonstruktion wurde das Tragwerk aufgeteilt in einen äußeren Stahlbetonturm, welcher die Horizontallasten abträgt und die Funktion der Gebäudehülle übernimmt, sowie eine innere Stahlkonstruktion zur Abtragung der Archivlasten und Einhaltung der hohen Verformungsbegrenzungen.

Wahl der Baustoffe:

Im Unterschied zu einer inneren Stahlbetonstruktur, die zeit- und lastabhängigen Formänderungen durch Schwinden und Kriechen ausgesetzt ist, sind bei einer Stahlkonstruktion die Verformungen wesentlich genauer zu prognostizieren und die hohen Anforderungen mit entsprechend größerer Sicherheit zu gewährleisten. Außerdem wurde bei der Planung der Stahlkonstruktion der Einbau hydraulischer Pressen vorgesehen, um eine spätere Nachjustierung zu ermöglichen.

Das Gebäude nimmt Archivalien in Regalen mit einer Länge von insgesamt 148 Kilometern auf, es bewahrt dauerhaft die Dokumente des Landes NRW und ist konsequent auf Stabilität des Klimasystems und Schonung der Ressourcen ausgelegt. Der langfristig vorgesehenen Archivierung wird mit einem robusten und auf Beständigkeit ausgerichteten Gebäude Rechnung getragen.

Erläuterung der Gestaltung:

Das vorhandene Speichergebäude wurde durch einen Archivturm im Zentrum ergänzt. Das Archivgut des Landes kann nun prägnant sichtbar aufgenommen werden. Die Öffnungen und die Dachflächen des bestehenden Speichers wurden geschlossen. Grundlegendes Gestaltungselement ist eine massive Außenhaut aus Ziegeln, die dem Archivturm eine skulpturale Optik gibt. Die technisch erforderlichen Fassadenelemente, wie Entwässerungsrinnen, Fassadensicherungen, sind so ausgebildet, dass sie optisch in den Hintergrund treten. Das Denkmal bleibt in seiner historischen Struktur und Funktion ablesbar. Die Farbigkeit und Textur der neuen Ziegel greift die ursprüngliche Oberfläche der Bestandsziegel auf, die durch ihre Patina Zeugnis der Industriegeschichte Duisburgs sind. Durch Vor- und Rücksprünge im Mauerwerk entsteht ein fein gegliedertes Ornament.

Besondere Ingenieurleistung:

Um die Lasten aus dem neuen Turmbauwerk in den Baugrund abzuführen wurde von den Architekten und Ingenieuren in enger Zusammenarbeit eine vom Bestandsgebäude unabhängige Lastabtragung entwickelt. Im 6. OG wurde hierzu eine pyramidenförmige Übergangskonstruktion konzipiert, welche die Lasten aus den Stahlstützen des Turmbauwerks auf sogenannte „Vierendeelstützen“ überleitet. Diese Vierendeelstützen umschließen zwar formal die Bestandsstützen aus Stahlbeton, sind aber statisch nicht mit diesen verbunden, sondern leiten die Lasten des Archivturms direkt - an den Bestandsstützen vorbei - in die Bodenplatte ein. Hierdurch werden ungleichmäßige Setzungen und Schiefstellungen vermieden. Die gemeinsame Gründung von bestehendem Speichergebäude und Turmbauwerk wurde als sogenannte Kombinierte-Pfahl-Plattengründung (KPP) ausgebildet. Zu deren Herstellung wurden zunächst in dem vorhandenen Untergeschoss zirka 500 bis zu 12m lange Mikropfähle gesetzt. Anschließend wurde das UG komplett mit Beton verfüllt und als neue Stahlbetonbodenplatte ausgebildet, welche die alten und die neuen Lasten aufnimmt.

Welche positiven Effekte hat die besondere Ingenieurleistung?

„Zur Gestaltung von Ingenieurbauten oder die Baukunst ist unteilbar“, lautet ein Beitrag von Jörg Schlaich im Bauingenieur 2/1986. Darin schreibt er, dass alles Bauen Architektur sei, unabhängig davon wer sie mache, Architekten, Ingenieure oder gar Laien. Gute Architektur könne jedoch nur gedeihen, wenn Architekten und Ingenieure zusammenarbeiteten.

Beim Neubau des Archivturms des Landesarchivs NRW zeigt sich eindrucksvoll, dass hohe gestalterische Qualität das Ergebnis einer gemeinsamen Motivation und konsequenten Zusammenarbeit von Architekten und Ingenieuren ist. Das Projekt hat gezeigt, dass nur im Teamwork von Architekten und Ingenieuren aus der bloßen Umsetzung von Bautechniken ein ästhetischer Mehrwert erwachsen und ein Bauwerk zu Baukunst werden kann.

Das Landesarchiv NRW wurde mit dem Balthasar-Neumann-Preis 2014 ausgezeichnet.

Erläuterungsbericht von office for structural design osd GmbH & Co. KG zur Einreichung beim Ulrich Finsterwalder Ingenieurbaupreis 2015.

Beteiligte

Modernisierung (2011-2012)

Relevante Webseiten

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Relevante Literatur

Bisher wurden keine relevanten Veröffentlichungen eingetragen.

  • Über diese
    Datenseite
  • Structure-ID
    20066055
  • Erstellt am
    24.03.2014
  • Geändert am
    17.05.2015