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Padre Pio-Kirche

Allgemeine Informationen

Andere Namen: Chiesa di Padre Pio
Baubeginn: 1991
Fertigstellung: 2004
Status: in Nutzung

Bauweise / Bautyp

Konstruktion: Fachwerkträger
Funktion / Nutzung: Kirche

Lage / Ort

Lage: , , ,
Koordinaten: 41° 42' 25.29" N    15° 42' 11.27" E

Technische Daten

Abmessungen

überdachte Fläche 7 200 m²

Baustoffe

Bögen Stein
Fachwerkträger Stahl
Verkleidung Kupfer

Produkte, Services & Berichte

In einem speziell entwickelten mechanisch-chemisch-thermischen Verfahren werden Mit TECU® Patina entfällt die Wartezeit bis die geneigte Kupferober ...

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Bemerkungen

Für die neue Wallfahrtskirche der Padre-Pio-Pilger in S. Giovanni Rotondo in Süditalien wurde unter Leitung des Renzo Piano Building Workshop das bisher größte neuzeitliche Kirchendach Europas realisiert. Ausschließlich natürliche, langlebige Materialien haben für dieses Projekt Verwendung gefunden. So wurde die gigantische Dachhaut komplett in vorpatiniertem Kupfer der Marke TECU® Patina ausgeführt; 19.500 m² Kupfer waren für die komplexe Gestaltung erforderlich. Das Tragwerk besteht aus einer Komposition aus Holz und dem regional typischen apulischen Kalkstein.

An die schützende Funktion eines riesigen Schneckenhauses erinnernd, schmiegt sich das leuchtend grüne Kupferdach zwischen die Hügel des Gargano-Vorgebirges. Mit einer beeindruckenden Formensprache, innova-tivem Einsatz des Werkstoffs TECU® Patina und einer meisterhaften Ausführung der Dachgestaltung wird hier ein markantes Zeichen gesetzt. Im Gegensatz zur Bebauung des Umfelds, die zum größten Teil zwecks Bewältigung der ständig wachsenden Besucherzahlen innerhalb kürzester Zeit entstanden ist, stellt das kupferne Kirchendach einen direkten und augenfälligen Bezug zur wesentlichen Bestimmung dieses Ortes her: Pilger aus aller Welt sollen hier in Zukunft gemeinsam ihren Gottesdienst begehen.

Mit dem Einsatz des Werkstoffs TECU® Patina wurde eine interessante Verbindung zwischen Tradition und Innovation geschaffen. Kupfer wird in Europa seit Jahrhunderten aus gutem Grund auch als Bedachungsmaterial für Kirchen verwendet: Der natürliche Werkstoff entwickelt seine sprich-wörtliche Langlebigkeit aus sich selbst heraus. Während der Bewitterung im Freien bilden kupferne Oberflächen eine schützende Oxidschicht, die sich ständig weiterentwickelt und dem Material allmählich die charakteristische grüne Patina-Oberfläche verleiht. Kupfer der Marke TECU® Patina ist bereits werkseitig in einem industriellen Verfahren einseitig vorpatiniert und so von vornherein mit der typischen grünen Schutzschicht ausgestattet, die sich nach dem Verlegen im Freien ganz natürlich weiterentwickelt. So kann die von Kirchendächern bekannte grüne Patina unter Umgehung der jahrzehntelangen Oxidierungsphase direkt eingesetzt werden. Dabei bleiben die vom Werkstoff Kupfer bekannten verarbeitungsfreundlichen Eigenschaften vollständig erhalten: Wohl kaum ein anderer Werkstoff bietet so vielfältige Möglichkeiten der Formbarkeit – eine Eigenschaft, die der eigenwilligen Gestaltung der Dachlandschaft der Wallfahrtskirche in San Giovanni Rotondo ganz entscheidend entgegenkam.

Im Kapuziner-Kloster in San Giovanni Ritondo lebte Padre Pio di Pietrelcina bis zu seinem Tod im Jahre 1968. Der charismatische Mönch wird vor allem in Italien verehrt und genießt seit seiner Heiligsprechung durch Papst Johannes Paul II. bei Gläubigen in aller Welt einen hohen Bekanntheitsgrad. So wird der Wallfahrtsort San Giovanni Rotondo heute jährlich von mehr als sieben Millionen Pilgern besucht. Die ständig steigende Nachfrage nach Übernachtungsmöglichkeiten führte zu einem in dieser Region einzigartigen Bauboom: Innerhalb von zwei Jahren entstanden 120 Hotels an den Hängen des Bergdorfes.

Das Architektenteam des Renzo Piano Building Workshop fand von Beginn der Planung an einen Ort voller Widersprüche zwischen Religion und Kommerz vor, die sich in der vorhandenen Architektur spiegelten. Seit den ersten Besuchen in San Giovanni Rotondo beschäftigte sich der Workshop mit der Frage, wie man eine kontemplative Form der Frömmigkeit mit den vorgefundenen Gegebenheiten und der enormen Besucherzahl in Einklang bringen kann. Unter dem Kirchendach sollten siebentausend Menschen einen Sitzplatz finden und insgesamt etwa zehntausend Menschen sich versammeln können.

Renzo Piano fand die Antwort im vollständigen Verzicht auf die traditionelle Einschiffigkeit der großen mittelalterlichen Predigerkirchen. Nach seinem Entwurf werden die Gläubigen von einer gigantischen Muschelform aufgenommen, deren Grundriss durch eine Dreiviertelkreisfläche mit stetig abnehmendem Radius und einem Flächeninhalt von etwa 6.000 m² gebildet wird. Das Tragwerk der Gesamtkonstruktion besteht aus zwei ineinander greifenden Reihen kreisförmig angeordneter Steinbögen, insgesamt 21, die einen inneren und einen äußeren Ring bilden, wobei die Bögen des äußeren Rings maßstäblich verkleinerte Kopien der inneren darstellen. Die Bögen des inneren Rings haben einen gemeinsamen Ursprung im Mittelpunkt des Dreiviertelkreises, wo sich auch der Altar befindet. Da die Spannweiten der Bögen sich mit dem abnehmenden Kreisradius stetig verkürzen, entsteht eine Spiralform, die an ein Schneckenhaus erinnert. Diese Bogen-konstruktion trägt in Verbindung mit einem sekundären struktiven System aus Holzstützen eine ebenfalls hölzerne Dachunterlage, die durch die Schlichtheit ihres Materials einen angenehmen Ausgleich zu dem gigantischen Steinbogensystem bietet.

Die vom Dreiviertelkreis der Grundrissebene eingeschlossene Fläche bildet die Spitze der zum Eingang hin hangabwärts verlaufenden dreieckigen Piazza. Dieser Vorplatz fasst mit 9.000 m² bis zu 30.000 Menschen, die an gut besuchten Feiertagen aufgrund der offenen, übergangslosen Verbindung von Kircheninnerem und Vorplatz auch von hier aus an den Feierlichkeiten teilnehmen können. Der weit geöffnete Eingangsbereich wird vom größten Steinbogen des Tragwerks geformt, mit 50 m Spannweite und einer Höhe von 16 m der größte tragende Bogen, der je aus Stein errichtet wurde. Derartige, bisher unerprobte Ausmaße verlangten im Vorfeld selbstverständlich nach einer sorgfältigen Erprobung der Statik, der Haltbarkeit der Konstruktion zum Beispiel bei Erdbeben, die hier im Gargano keine Seltenheit sind. Die tragenden Bögen von San Giovanni Rotondo werden, wie im Mittelalter, aus riesigen, schweren Steinquadern errichtet, zwischen denen allerdings Stahlseile gezogen werden, die im Fall eines Erdbebens ein gewisses Spiel erlauben.

In Zukunft werden die anreisenden Pilger nicht mehr wie bisher durch den oft hoffnungslos überlaufenen Ort geleitet, sondern über eine neue Straße, die von Süden her den Hang zum Kloster hinaufführt. Auf diesem Weg ist zunächst von dem hinter Bäumen versteckten flachen Kirchendach kaum etwas zu erkennen. Blickfang ist hier die enorme Stützmauer der Piazza, an der entlang die Besucher hangaufwärts geführt werden und die sich an ihrem höchsten Punkt 25 Meter hoch erhebt. Hier, an einer Straßenbiegung, bilden die Stützpfeiler der Mauer einen Turm, der ein Dutzend riesiger Glocken beherbergt. Weiter hangaufwärts nimmt die Höhe der Mauer immer weiter ab, bis man an ihrem Ende auf den Vorplatz des Klosters gelangt, wo auch der Scheitelpunkt der dreieckigen Piazza liegt. Über den hangabwärts verlaufenden Platz gelangt man zum Eingang der Kirche, neben dem ein 40 m hohes Steinkreuz emporragt. Von jeder Stelle der Piazza aus kann sich der Blick der Besucher auf nur drei Perspektiven konzentrieren: auf die Kirche mit ihrem mächtigen, grün patinierten kupfernen Dach, in den Himmel darüber oder auf die weite Ebene mit den Zufahrtswegen für die Pilger.

Beim Betreten der Kirche hindert kein Absatz, keine Stufe, nicht einmal die Bodenpflasterung verändert sich – ein nahtloser Übergang in ein für die Welt offenes Haus, eine Kirche ganz im Sinne der Kapuziner. Der bogenförmige Eingang dient gleichzeitig als einziges Fenster; der Innenraum bleibt ansonsten im Halbdunkel, nur ein Lichtschacht über dem Altar setzt einen dramatischen Akzent. Auf dem konkav gewölbten Boden verlaufen die Sitzreihen in terrassenförmig steigenden Ringen um den Altar. Die Besucher erleben die Messe wie in einem griechischen Theater. Für ausreichende Wärme sorgt ein eigenes kleines „Heizkraftwerk“ im Untergeschoss, wo auf einer Nutzfläche von 11.000 m², die bis zur Hälfte der riesigen Piazza reicht, sich auch Krypta, Kapellen, Beichtstühle und mehrere hochmoderne Verwaltungs- und Veranstaltungsräume befinden.

Noch im Sommer 2004 soll die gesamte neue Anlage mit Zufahrtswegen und neuem Klostergebäude fertig gestellt sein. Dann spannt sich eines der größten Kirchendächer der Welt über den Gargano, ein neues Dach aus grünem Kupfer für Padre Pio.

Beteiligte

Bauherr
Konzept
Architektur
Tragwerksplanung
Beratende Ingenieure
Generalauftragnehmer
Steinarbeiten
Holzbau
Steinmetz
Vorspannung
Steinbruch
Kupfer am Bau

Relevante Webseiten

Relevante Literatur

  • Über diese
    Datenseite
  • Structure-ID
    20001711
  • Erstellt am
    11.08.2001
  • Geändert am
    18.05.2015