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Altes Hallenbad

Allgemeine Informationen

Baubeginn: Februar 1903
Fertigstellung: 24. Juni 1906
Status: in Nutzung

Bauweise / Bautyp

Konstruktion: Tonnengewölbe
Funktion / Nutzung: ursprüngliche Nutzung:
Schwimmbad / Wassersportzentrum
Baustil: Jugendstil (Art Nouveau)

Lage / Ort

Lage: , ,
Koordinaten: 49° 24' 28.70" N    8° 41' 18.71" E
Koordinaten auf einer Karte anzeigen

Technische Daten

Abmessungen

Männerbad Stützweite > 12 m
Länge ca. 30 m

Baustoffe

Gewölbe Beton

Baugeschichte des Alten Hallenbades

Bereits um 1900 entstanden in Heidelberg Pläne für ein Hallenschwimmbad. Der Zimmermann Alois Veth kam dabei der Stadt zuvor und ließ auf seinem Grundstück zwischen der Bergheimer Straße und den damaligen Gleisanlagen des Hauptbahnhofes das erste Hallenbad in Heidelberg errichten. Die Pläne dafür stammten vom Heidelberger Architekten Franz Sales Kuhn nach dem Vorbild des von Carl Hocheder errichteten Müllerschen Volksbades in München. Der Bau vereinigt Klassizismus und Jugendstilelemente mit an die Antike anlehnenden Formen. Im Februar 1903 wurde mit dem Bau begonnen, am 24. Juni 1906 wurde das Bad eröffnet. Da Veth sich verkalkuliert hatte und in Konkurs gegangen war, wurde das Hallenbad ein Jahr später von der Stadt Heidelberg für 521.000 Mark übernommen. 1950 wurde es umfassend renoviert, wobei die ursprünglich farbige Gestaltung einem einheitlichen Weiß weichen musste.

1967 wurde das Bad in ein Familienbad umgewandelt und die Geschlechtertrennung aufgehoben, was den Bau eines Verbindungstraktes nötig machte. Das Bad wurde zwar modernisiert, aber die dringend notwendige Grundsanierung unterblieb. In den 1970er Jahren befürworteten viele, insbesondere auch der damalige Oberbürgermeister Reinhold Zundel, den Abriss des hygiene- und sicherheitstechnisch nicht mehr zeitgemäßen Gebäudes, das allerdings 1978 unter Denkmalschutz gestellt wurde.

1981 wurde der Badebetrieb aus Sicherheitsgründen eingestellt. In der Folge gab es zahlreiche Pläne und Versuche, das Gebäude anderweitig zu nutzen. Eine Zeit lang dienten die beiden Schwimmhallen als Proberäume für Theater und Orchester. Vorschläge reichten von einer Nutzung als Theater mit Café, Läden und Büros bis zu einer Umgestaltung zur Synagoge mit Mikwe im alten Dampfbad. Das Schicksal des Hallenbades sorgte für kontroverse Diskussionen sowohl in der Politik als auch in der Bevölkerung. Eine Bürgerinitiative setzte sich ebenso wie das Landesdenkmalamt für eine Wiedereröffnung als Bad ein.

1989 beschloss der Gemeinderat, das Hallenbad zu sanieren, die Umsetzung scheiterte allerdings aus finanziellen Gründen. Auf eine überregionale Ausschreibung bewarben sich 1997 mehrere Interessenten mit unterschiedlichen Nutzungskonzepten, keines der Projekte wurde jedoch verwirklicht. Ab 1998 wurden die Dächer und der Dachstuhl gesichert, ab 2006 wurden die Räumlichkeiten als Theater und als Disco genutzt. 2007 wurde das Alte Hallenbad zum Verkauf ausgeschrieben, aufgrund juristischer Formfehler musste die Ausschreibung europaweit wiederholt werden. Daraufhin wurde das Bad 2008 an den einzigen verbliebenen Bieter, den Heidelberger Immobilienunternehmer Hans-Jörg Kraus verkauft, der das Gebäude ab 2010 sanieren und für die Nutzung als Markthalle und Veranstaltungshaus umbauen ließ. Im Frühjahr 2013 wurde das Alte Hallenbad wieder eröffnet.

Beschreibung des Hallenbades

Der Gebäudekomplex steht auf einem unregelmäßigen Grundstück, das zur Bergheimer Straße durch Wohngebäude begrenzt war. Der repräsentative Haupteingang sollte auf der Südseite liegen. Da der lange geplante Abbruch der dort liegenden Bahnanlagen aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte, blieb es damals bei einem Provisorium. Die Südfassade blieb deshalb relativ wenig gegliedert und der geplante vorgesetzte Arkadengang wurde nicht verwirklicht. Der Zugang erfolgte von der Bergheimer Straße, durch einen Innenhof erreichte man das zentral zwischen den Schwimmhallen gelegene Eingangsvestibül mit der Kasse.

Im Inneren befand sich das Männerbad auf der Ost-, das kleinere Frauenbad auf der Westseite. Die Bäder umfassten jeweils ein von gelbem Sandstein eingefasstes Becken. An den Wänden befanden sich hölzerne Umkleidekabinen, darüber verlief eine Galerie. Die vorgefertigten Kassettendecken bestehen aus Beton mit einer von Kuhn entwickelten und patentierten Technik gefertigt.

Konstruktion der ursprünglichen Bäderhallen

Das Gewölbe über dem Männerbad

Das Männerbad ist mit einem Tonnengewölbe überdacht von ca. 30 m Länge und mehr als 12 m Breite. Das Tonnengewölbe wird von sechs Stichgewölben mit gekrümmten Gratrippen unterbrochen. Die Kassetten versteifen die gesamte Schale und sind nicht nur Schmuckwerk. sondern haben damit auch eine wichtige statische Funktion. Im mittleren Bereich sind die Kassetten nur 1,3 cm dick.

Das Gewölbe über dem Frauenbad

Das Frauenbad wird von einem flachen, elliptischen Gewölbe überspannt. Die Schale wird in den Ecken durch vier dreieckige Betonschalen ohne Rippen getragen. Dadurch entsteht eine rechtige Tragstruktur, die an den Rändern durch kräftige Rippen versteift wird und in Längsrichtung in kegelförmige Schalen übergeht. Wie auch das Gewölbe über dem Männerbad wurden auch hier Betonkassetten eingesetzt, deren Rippen eine versteifende Wirkung haben.

Neubauten für die Umnutzung

Auf der Nordseite wurde ein Hotelbau angefügt, der aus zwei Unter- und sechs Obergeschossen besteht. Das Staffelgeschoss des Daches und die fünf darunter liegenden oberirdischen Geschosse wurden mit konventionellen Fertigteilstützen und Flachdecken ausgeführt. Diese Geschosse werden über Konsolen abgefangen, da die lastabtragenden Betonstützen im Erdgeschoss, der ehemaligen Bäderebene, nach innen versetzt sind.

Zwischen dem Neubau und dem Altbau wurde zusätzlich ein Glasdach über der Bäderebene eingepaßt, um die dort befindlichen Verkaufsräume mit Tageslicht zu versorgen.

Auf der Westseite befindet sich ein ähnlich konstruierter Neubau, bei dem die Lasten aber durch Fassadenwände aus Fertigteilen abgetragen werden. An den Deckenauflagern werden die weitgespanten Decken über Rückbiegebewehrung stirnseitig an die durchlaufenden Fertigteilwände angeschlossen. Im Westbau befindet sich außerdem der Zugang zur neu gebauten Tiefgarage.

Die nach Süden gewandte Fassade wurde mit einer eingeschossigen Vorhalle ergänzt, wie es in den ursprünglichen Plänen Kuhns bereits vorgesehen war, und zur Hauptfassade aufgewertet.

Nutzung nach dem Umbau

Das ehemalige Männerbad dient heute als Markthalle mit Gastronomie. Das Gewölbe und die Galerie wurden erhalten. Ein neuer Baukörper wurde in der Mitte des Raumes ergänzt. Die Umkleidekabinen wurden durch Marktstände ersetzt. Im ehemaligen Frauenbad werden Veranstaltungen dargeboten, das frühere Dampfbad fungiert als Salzgrotte. Im nördlichen Anbau befindet sich ein Hotel, in den anderen Neubauten Büros und Restaurants.

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Beteiligte

Bau (1903-1906)
Architektur
Instandsetzung (2009-2013)
Bauherr
Architektur
Tragwerksplanung
Statische Prüfung
Bauausführung

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Relevante Literatur

  • Über diese
    Datenseite
  • Structure-ID
    20065889
  • Erstellt am
    18.01.2014
  • Geändert am
    16.05.2015