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Autohalle Bramfelder Straße 111

Allgemeine Informationen

Status: in Nutzung

Bauweise / Bautyp

Konstruktion: Gitterschale
Funktion / Nutzung: Lagerhalle

Lage / Ort

Lage: , ,
Adresse: Bramfelder Straße 111
Koordinaten: 53° 35' 23.59" N    10° 3' 6.84" E
Koordinaten auf einer Karte anzeigen

Technische Daten

Abmessungen

Halle 1 Breite 23 m
Halle 2 Breite 23 m

Baustoffe

Dach Holz

Chronologie

6. August 1947

Die Baugenehmigung für den Wiederaufbau der Halle zur Behebung der Kriegsschäden wird erteilt.

Zollingerdach der Autohalle Bramfelder Straße 111 in Barmbek-Nord, Hamburg

Im Hamburger Stadtteil Barmbek-Nord ist eines der wenigen in Norddeutschland erbauten Zollingerdächer erhalten geblieben: Die ehemalige Autohalle mit zwei Hallenschiffen steht in der Bramfelder Straße 111. Sie war nach Angaben der Besitzerfamilie 1938 von der Bayr. Hallenbau GmbH für die dort ansässige Firma Heinrich Witzel, Spedition und Fuhrbetrieb, errichtet und nach Kriegszerstörungen 1947 erneuert worden. Seit 1995 nutzt die Firma Fairpack Umzüge GmbH den Bau als Lagerhalle für Umzugsgüter und Kartons.

Entwickelt hat das mit Systembauteilen aus Holz errichtete Dachtragwerk der Stadtbaurat vom Merseburg, Friedrich Reinhardt Balthasar Zollinger (1880-1945). Der aus Wiesbaden stammende Architekt hatte an der Technischen Hochschule in Darmstadt studiert, war von 1908 bis 1911 Baubeamter im hessischen Staatsdienst beim Hochbauamt in Dieburg, beim Finanzministerium in Darmstadt und der Eisenbahndirektion Frankfurt am Main. 1911/12 wirkte er als Regierungsbaumeister in Aschaffenburg und bis 1918 als Stadtbaumeister in Neukölln bei Berlin, bevor er von 1918 bis 1930 Stadtbaurat in Merseburg war. Ab 1932 arbeitete er noch als freiberuflicher Architekt in Darmstadt und München, starb 1945 im bayerischen Rosenheim.

Zollinger hatte seine Ideen für eine holzsparende und hochgradig unifizierte Dachkonstruktion seit 1904 entwickelt. In Merseburg griff er sie wieder auf, als es darum ging, in den Notzeiten nach dem Ersten Weltkrieg schnell und kostengünstig Wohnraum zu schaffen. Vor diesem Hintergrund setzte er auch das von ihm für den preiswerten Bau von Hauswänden entwickelte Schüttbetonverfahren (1910 patentiert) ein. Das Patent für das gewölbte Lamellendach beantragte er dagegen erst 1921 (1923 ausgegeben).

Bei der Bauweise vernetzte Zollinger kurze Bohlenbretter zu einem Flächentragwerk mit rautenförmigem Muster. Dabei wurden die gleichartigen Bretter so angeordnet, dass auf ein Brett mittig zwei andere mit ihren Enden treffen. Die Bretterenden werden durch das durchgehende Brett hindurch mit Schraubenbolzen miteinander verbunden. Mit derartigen Tragwerken ließ sich der Holzverbrauch im Vergleich zu konventionellen Dächern mit Sparren und Pfetten um etwa 40 bis 60 Prozent verringern. Auch die Arbeitszeit soll etwa 40 Prozent niedriger gelegen haben. Die Bretter wurden in großen Mengen industriell in Sägewerken vorgefertigt. Zudem ließen sich Zollingerdächer ohne schwere Hebezeuge - auch von Laien - einfach montieren.

Das Zollingerdach wurde bis in die 1930er Jahre hinein in großer Zahl in Deutschland, aber auch im europäischen Ausland und in Amerika gebaut, vermarktet von der 1921 gegründeten Deutschen Zollbau-Licenz-Gesellschaft mbH. 1926 übernahm die Europäische Zollbau-Syndikat AG den Vertrieb. Eine modifizierte Version aus Stahl ließ Hugo Junkers aus Dessau 1924/25 patentieren. Der sich anschließend mit Zollinger entwickelnde Patentstreit blieb ungeklärt. Seit 1929 wurde die Metallversion als "Junkers-Zollbau-Lamellendach" von Zollinger und Junkers gemeinsam vermarktet.

Zollingerdächer aus Holz verbreiteten sich rasch zunächst im Siedlungsbau. Wegen der dafür charakteristischen Spitzbogenform lassen sich diese Dächer auch von außen gut erkennen. Ebenfalls in dieser Spitzbogenform entstanden Dächer für Scheunen, Kirchen und das Elefantenhaus im Leipziger Zoo. Für große Spannweiten wurden flache Tonnendächer konzipiert, die unter anderem für Markt- und Veranstaltungshallen, Flugzeughangars und Gewerbehallen verwendet wurden. Erhaltene Bauten mit Zollingerdach stehen vor allem in Mittel- und Süddeutschland. Zu den wenigen Nachkriegsbauten gehört die 1947 errichtete Münsterlandhalle im westfälischen Münster. Mit einer Spannweite von 36,36 Meter gehört sie auch zu den größten ihrer Art. Weil sich das Dach um etwa 10 Prozent absenkte, bekam sie 1981 darüber für das Dach ein neues Stabwerk - darunter blieb die Zollinger-Optik weitgehend funktionslos erhalten.

Der Schwachpunkt der Konstruktion sind die Verbindungen. So ist die Biegebeanspruchung der Schale bei unsymmetrischer Belastung (zum Beispiel Wind) erheblich. Ursprünglich wurden die Enden der Bretter in der Regel nur mit je einem Schraubenbolzen verbunden. Bei den Hallen in Münster und in Hamburg werden jeweils zwei verwendet. Außerdem nehmen in Hamburg quer durch die Halle gespannte Zugbänder den Schub des flachen Bogens auf. Bei dem in den Bauplänen "Holz-Zoll-Lammellen-Dach" genannten Tragwerk in der Bramfelder Straße 111 in Hamburg handelt es sich um die Konstruktion für eine Autohalle mit zwei Hallenschiffen auf massivem Mauerwerk. Die Hallenschiffe sind jeweils 23 Meter breit und zwischen 47 und 55 Meter lang, weil der Bau auf der Rückseite einen schrägen Grundriss hat. Deshalb ist das nördliche Schiff auch 1.200 Quadratmeter groß, das südliche 1.150 Quadratmeter. Die verwendeten Bohlenbretter sind etwa 2,07 Meter lang, 3,6 Zentimeter stark und bis zu 29 Zentimeter breit.

Der Bauherr Heinrich Witzel soll nach Angaben seiner Familie von der Bauweise fasziniert gewesen sein. Seine Spedition und Fuhrbetrieb hatte er 1924 auf der östlichen Straßenseite gegründet, war später für einige Jahre in der Nähe am Mesterkamp ansässig, ehe er 1938 in der Bramfelder Straße 111 zog. Dort hatte er einen neuen Betriebshof mit der Autohalle von der Bayr. Hallenbau GmbH errichten lassen. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Halle zumindest erheblich beschädigt. Mit Baugenehmigung vom 6. August 1947 ("Wiederaufbringung eines Daches über den Kraftwagenhallen") wurde sie noch vor der Währungsreform wieder in alter Form aufgebaut und blieb so bis heute erhalten.

Heinrich Witzel starb 1950. Damals gehörten zu der Firma bis zu 44 Lkw, die in den Hallen auch repariert wurden. Das von seinen zwei Söhnen übernommene Unternehmen geriet nach Angaben der Familie in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wurde 1952 erheblich verkleinert. Seitdem gehörte der Familie nur noch ein Fuhrbetrieb mit wenigen Lkw und die Immobilie: Die große Halle nutzte das Daimler-Benz-Autohaus Heinrich Schaper von 1952 bis 1989 als Lkw-Werkstatt, bevor 1995 die Firma Fairpack Umzüge GmbH einzog.

Text von Sven Bardua

Quellen:

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Beteiligte

Bauausführung

Relevante Webseiten

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  • Über diese
    Datenseite
  • Structure-ID
    20065871
  • Erstellt am
    13.01.2014
  • Geändert am
    31.07.2014