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Horizontweg Energieberg Georgswerder

Allgemeine Informationen

Fertigstellung: März 2013
Status: in Nutzung

Bauweise / Bautyp

Lage / Ort

Lage: , ,
Adresse: Fiskalische Straße 2
Koordinaten: 53° 30' 35.12" N    10° 1' 47.59" E
Koordinaten auf einer Karte anzeigen

Technische Daten

Abmessungen

Gesamtlänge ca. 920 m
Stützweiten 14 - 16 m
Überbaubreite 3 - 6 m

Baustoffe

Pfeiler Stahl
Fundamente Stahlbeton
Brückenfachwerk Stahl
Widerlager Stahlbeton

Horizontweg Georgswerder in Hamburg

Geschichte

Nach dem 2. Weltkrieg entsteht auf den Wiesen der Elbinsel Wilhelmsburg ein Müllberg aus Trümmerschutt. Später führt die Ablagerung von Haus- und insbesondere Industriemüll zu einer gefährlichen Dioxinansammlung, die durch den anfallenden Regen das Grundwasser kontaminiert. Seit 1986 ist die Deponie abgedichtet, der Giftmüll zwar immer noch da, aber durch aufwändige technische Maßnahmen im Müllberg eingeschlossen. Auch die kontinuierlichen Bewegungen der Deponie werden seit Jahren sorgfältig gemessen.

Entwurf

Der Horizontweg entwickelt sich aus der Topografie, in Teilen an den Berg anschmiegend, in Teilen auf Stahlstützen ausschwingend, aber immer exakt auf einer Höhe etwas unterhalb des höchsten Punktes verlaufend. Die Außenseite der Reling des Horizontweges wird bei Nacht mit LEDs beleuchtet und verwandelt den Berg in eine weithin sichtbare Landmarke. Konstruktion und Tragwerk wurden in einem interdisziplinären Team bestehend aus Landschaftsarchitekt, Architekt und Tragwerksplaner in Zusammenarbeit mit den Umweltexperten der Deponie Georgswerder entwickelt.

Konstruktion

Die Promenade ist eine ca. 920m lange Weg- und Steganlage, die auf der hügelartigen Mülldeponie Georgswerder aufgestellt wurde und begangen werden kann. Die Steganlage verläuft in einer gewundenen Form mit mehreren Kurven exakt horizontal auf +37,10m ü.NN. (OK Gehbahn). Der Steg ist in den Normalbereichen 3m breit, in den Kurvenbereichen wird er auf 6m aufgeweitet. Die Stahlkonstruktion ist in zwei Abschnitte unterteilt mit einer Gesamtlänge von ca. 480 m.

Das Haupttragwerk der stählernen Stegkonstruktion wird durch geländerintegrierte hybride Träger - teils Fachwerkträger, teils Vierendeelträger - gebildet, die in den Stützenachsen durch Hauptquerträger gehalten werden. Die Träger weisen eine Stützweite von 14 - 16 m auf. Die Fachwerkträger werden an den Hauptquerträgern angeschlossen, die jeweils von A - förmigen Stützenböcken getragen werden, welche auch die Aussteifung in Quer- und Längsrichtung sicherstellen. Der Gehbelag besteht aus quer tragenden Blechprofilbohlen, die auf Längsträgern aufliegen. Das Geländer wird außen mit Lochblechen bekleidet.

Die Steganlage ist als Gerbersystem geplant. In jedem zweiten Feld tragen die Fachwerkträger als Einfeldsystem mit beidseitigen Kragarmen (Rahmen), dazwischen werden kürzere Einfeldträger gelenkig eingehängt. Die statisch bestimmte Lagerung ist nötig wegen der großen ständigen Setzungsbewegungen, die auf der Deponie gemessen werden. Zudem werden die Stöße aus Gründen der Temperaturdehnung als Dehnungsfugen mit Elastomerlagern ausgebildet.

Die Doppelstützen erhalten jeweils ein gemeinsames Fundament als Flachgründung, um die Dichtungsbahn der Deponie nicht zu zerstören. Der Anschluss der Stützen an die Gründungsbauteile erfolgte so, dass die unterschiedlichen vertikalen Setzungen ausgeglichen werden können. Die Fundamente haben eine Bauhöhe von 40-50 cm, werden mindestens 80 cm unterhalb der Geländeoberkante gegründet und erhalten ein mindestens 20cm starkes frostsicheres Kiespolster. Die Fundamente greifen nicht in die vorhandene Flächendrainage oberhalb der Deponiedichtung ein und werden in Ihrer Größe so dimensioniert, dass zum einem die zulässige Erhöhung der Beanspruchung der Dichtung der Deponie um 50 kN/m² eingehalten wird und zum anderen eine ausreichende Gleitsicherheit gewährleisten wird.

Der geotechnische Bericht zur Gründung machte Vorgaben zu den zu erwartenden Setzungen. Er gibt maximale Setzungsdifferenzen für zwei benachbarte Fundamente im Abstand von ca. 14m von 5cm vor. Aus geometrischen Gründen ist es unrealistisch, eine so große Setzungsdifferenz in der tragenden Konstruktion aufzunehmen. Bei der Bemessung der Gesamtkonstruktion wurde daher nur eine Setzungsdifferenz benachbarter Gründungskörper in Steglängsrichtung von Δez = 2 cm berücksichtigt. In Stegquerrichtung wurde eine Schiefstellung der Gründungskörper von Δα = 0,2° vorgesehen. Bei größeren Setzungsdifferenzen benachbarter Gründungskörper kann der Steg vertikal nachjustiert werden. Dazu wurden in den Fußpunkten der Stützen geeignete Ausgleichsmöglichkeiten eingeplant, um unterschiedliche vertikale Setzungen ausgleichen zu können.

Nach dem vorliegenden geotechnischen Bericht ist mit Horizontalverformungen in Nord-Süd- Richtung von i. M. rd. 2mm/a und in Ost-West Richtung von i. M. rd. 7mm/a je Richtung nach außen zu rechnen bei einer Ost-West- sowie Nord-Süd-Ausdehnung von etwa 400m. Ausgehend von einer Bauwerksstandzeit von ca. 25 Jahren wird konstruktiv eine Bewegungsmöglichkeit von Δex = 1mm/m Konstruktionslänge vorgehalten. Hierfür werden die entsprechenden Auflagerdetails im Bereich der Dehnungsfugen so ausgebildet, dass sie bei Bedarf nachjustiert werden können. Die Setzungen der Steganlage werden - wie auch die gesamte Deponie - durch regelmäßige Messungen vom Amt für Geoinformation Hamburg überprüft.

Erläuterungsbericht der ifb frohloff staffa kühl ecker (Berlin) zur Einreichung beim Ulrich Finsterwalder Ingenieurbaupreis 2015

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    Datenseite
  • Structure-ID
    20066613
  • Erstellt am
    11.11.2014
  • Geändert am
    21.04.2016