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Servicezentrum Theresienwiese

Allgemeine Informationen

Baubeginn: 2003
Fertigstellung: 2004
Status: in Nutzung

Bauweise / Bautyp

Funktion / Nutzung: Polizeistation / Kommissariat

Lage / Ort

Lage: , , ,
Adresse: Matthias-Pschorr-Straße 4
Koordinaten: 48° 7' 55.45" N    11° 32' 50.09" E

Technische Daten

Abmessungen

Gebäudefläche 1 982 m²
umbauter Raum 13 696 m³
Bruttogeschossfläche (BGF) 3 617 m²

Kosten

Baukosten Euro 13 000 000

Baustoffe

Fassade Kupfer

Produkte, Services & Berichte

TECU® Classic ist die Bezeichnung für TECU® Tafeln und TECU® Bänder in klassischer walzblanker Ausführung. Nach der Verlegung am Bau entwickelt sic ...

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Chronologie

November 2002

Planungsbeginn.

August 2003

Baubeginn.

Juli 2004

Fertigstellung.

Bemerkungen

Ein Kupfer-Monolith auf dem Oktoberfest

Ein Kupferbarren liegt unspektakulär auf einem großen flachen Feld – so präsentiert sich auf den ersten Blick das neue Servicezentrum auf der Theresienwiese in München. Fassade und Dach des wie ein Monolith gestalteten Gebäudes sind nahezu komplett mit walzblankem Kupfer bekleidet. Die gestalterisch und handwerklich perfekte Ausführung wurde mit dem Deutschen Fassadenpreis 2005 des FVHF ausgezeichnet. Die Jury zeigte sich von der Ambivalenz zwischen Haus und Aggregat des Gebäudes überzeugt und hob insbesondere die präzise Ausarbeitung aller Details und Anschlüsse der beispielhaften Kupferbekleidung mit TECU® Classic hervor.

Als karge innerstädtische Freifläche liegt die Theresienwiese in München normalerweise friedlich und leer – bis jährlich im Spätsommer das weltweit größte Volksfest aufgebaut wird. Dann herrscht auf der Wiese und in unmittelbarer Nachbarschaft der Ausnahmezustand. Das Oktoberfest, im Jahr 2004 hier zum 171. Mal begangen, ist aus einem Pferderennen am gleichen Ort anlässlich der Hochzeitsfeierlichkeiten des Kronprinzen Ludwig im Jahre 1810 hervorgegangen. In neuerer Zeit stellt das Fest mit etwa sechs Millionen Besuchern höchste Anforderungen sowohl an die Organisation als auch an die Besucherbetreuung. Bis zum Jahr 2003 waren städtische Behörden, Polizeiwache und Sanitätsstation zu diesem Zweck in einem Containerdorf am Rand des „Wiesn“-Geländes untergebracht. Dieses Dauerprovisorium hatte fast dreißig Jahre bestanden und entsprach zuletzt weder baulich noch sicherheitstechnisch zeitgemäßen Standards. Es musste also eine neue Lösung gefunden werden, ohne damit den ursprünglichen Charakter der Theresienwiese zu beeinträchtigen.

Den im Sommer 2002 ausgeschriebenen Wettbewerb gewann das Berliner Architekturbüro Volker Staab Architekten mit einem klaren und konsequenten Entwurf: ein einfacher und konsequenter Baukörper, mit Kupfer der Marke TECU® Classic allseitig eindrucksvoll bekleidet, mit vier eingeschnittenen Innenhöfen zur Belichtung des Souterrains, das mehr als die Hälfte des Gebäudevolumens aufnimmt.

Ein wesentliches Merkmal der landschaftlichen Situation der Theresienwiese ist die topographische Kante hinauf zur Theresienhöhe. Dieser durch eine künstliche Landschaft im Vorfeld ihre geschichtliche Klarheit zu nehmen, schien den Architekten nicht die richtige Lösung. Es galt vielmehr, ein Gebäude zu entwickeln, das kein Haus im eigentlichen Sinne ist und nicht als erste Bebauung des Jahrhunderte lang freigehaltenen Wies’n-Feldes gesehen wird. Es sollte eher als notwendiges Aggregat, als „Infrastrukturgerät des Oktoberfestes“ in Erscheinung treten. Das Problem seiner Erscheinung wird allerdings nicht zu den Zeiten des jährlichen Oktoberfestes offensichtlich, sondern in den Monaten dazwischen. Denn dann muss es, weitgehend unbenutzt, gut gesichert die technischen Kostbarkeiten seines Innenlebens schützen. Dagegen soll das Gebäude während des Oktoberfestes seine eigentliche Funktion deutlich machen. Das gesamte Haus musste also in wesentlichem Umfang auch für die unbenutzte Zeit gedacht werden. Nicht nur der Ausdruck des Hauses in den Zeiten der leeren Wiese war dabei von Bedeutung, sondern auch Zustand und Anforderungen des größtenteils leer stehenden Gebäudes.

So zeigt sich der Baukörper heute in einer präzisen, einfachen Form und orientiert seine innere Struktur ausschließlich an den komplexen Funktionsanforderungen. Unaufgeregt duckt er sich auf die Wiese und soll über die lebendige Materialität seiner kupfernen Außenhaut allmählich wie ein Chamäleon in der Farbigkeit der Theresienwiese untergehen. Denn mit der Zeit wird die Oxidierung der Kupferbekleidung das Gebäude an den Farbton der dahinter liegenden Hangkante angleichen. Etwa ein Jahr wird es dauern, bis die Hülle aus TECU® Classic dunkelbraun bis schwarz nachgedunkelt ist. Einige Jahre später beginnt dann in den direkt der Bewitterung ausgesetzten Dach- und Fassadenbereichen die Ausbildung der kupfertypischen grünen Patina, wodurch sich das Objekt optisch endgültig der Umgebung auf der „Wies’n“ anpassen wird.

Der „kupferne“ Baukörper verrät nur über seine differenzierte Oberfläche, durch den Wechsel zwischen geschlossenen und perforierten TECU® Classic Tafeln seine innere Struktur. Die Bewegungsräume sind verglast und durch die kupfernen Streckmetallbleche sowohl gegen zu starke Sonneneinstrahlung als auch gegen Vandalismus gesichert. Durch die komplette Umhüllung des Gebäudes werden alle Bereiche, die von der Wiese erreichbar sind, geschützt. Nur die Innenhöfe, von außen nicht zugänglich, sind großflächig verglast. Diese Höfe an der Gebäuderückseite, die konsequent der Belichtung der Innenräume dienen, erhalten durch die kräftige grüne Färbung der Gläser einen leicht entrückten Charakter, der einen Kontrapunkt zu den eher hermetischen Außenfassaden bildet. Auch an den Stirnseiten des Gebäudes wurden Öffnungen für die dahinter liegenden Räume geschaffen: Über faltbare kupferne Fensterläden kann die Außenhaut für die dahinter liegenden Büronutzungen geöffnet werden.

Mit der jährlichen Inbetriebnahme des Gebäudes zum Festbeginn ändert sich auch dessen äußeres Bild: Drei große, nach oben aufgefahrene Hubtore, zum Teil mit perforiertem TECU® Kupfer bekleidet, markieren weithin sichtbar die drei öffentlichen Eingänge im Osten des Gebäuderiegels. Hinterleuchtete Schriftzüge kennzeichnen die Eingänge: „Festleitung“, „Erste Hilfe“, „Polizei“. Der dahinter liegende Flur entlang der Ostfassade verbindet alle Bereiche: die Polizeiwache im südlichen Gebäudeteil, die Einsatzzentrale der Feuerwehr und die Sanitätsstation des BRK mit Behandlungs- und Ruheräumen im mittleren Bereich sowie im Nordflügel die Räume des Fremdenverkehrsamtes, des Jugendamtes und des Fundbüros.

Dass die hohe Lebenserwartung und die ästhetischen Vorteile des Werkstoffs TECU® Classic durch eine enorme Widerstandsfähigkeit gegen alle möglichen äußeren Einflüsse ergänzt werden, konnte an der Bekleidung des Servicezentrums bereits nachhaltig unter Beweis gestellt werden. Um die Besuchernähe und Offenheit, die das Gebäude signalisiert, zu betonen, wurde während des Oktoberfestes 2004 auf einen Zaun vor den Eingängen verzichtet. In direkter Nachbarschaft zu den großen Festhallen musste die Ostfassade so während der ausgelassenen Festtage einiges über sich ergehen lassen. Leuchtete die walzblanke Kupferfassade zu Anfang anlassgemäß noch wie eine Maß Bier, so waren nach einigen Festtagen schon die ersten Schlieren deutlich zu erkennen – unter anderem aufgrund der Umfunktionierung zum Urinal durch ganz besonders trinkfreudige Festgäste. Aber der Panzer aus Kupfer als Vollmaterial und Streckmetall hält noch einiges mehr an außergewöhnlichen Belastungen aus, und schon bald werden aufgrund der fortgeschreitenden Oxidation keinerlei bleibende Spuren mehr zu erkennen sein.

Nach dem Abbau der letzten Fahrgeschäfte und Festhallen werden die kupfernen Fensterläden geschlossen, die Hubtore senken sich, und das Gebäude verwandelt sich wieder zur minimalistischen Architekturskulptur. Ganz verwaist wird das Servicezentrum allerdings auch in den festfreien Zeiten nicht sein: das Fremdenverkehrsamt nutzt die Räume im Nordflügel ganzjährig, was einer permanenten Auslastung von 20 Prozent entspricht. Das gesamte Gebäude ist darauf ausgelegt, dass während der Schließzeiten keinerlei Wartungs- und Pflegearbeiten erforderlich sind. Lediglich die Trinkwasserleitungen müssen regelmäßig durchgespült werden, um die Entstehung von Keimen zu verhindern. Und das erfolgt voll automatisch, im Abstand von 72 Stunden. Dieses Prinzip der Wartungsfreiheit findet sich in der Gebäudehülle in einem weiteren Vorteil des Werkstoffs TECU® wieder: Man überlässt ihn ohne Pflege einfach sich selbst, und er wird mit der Zeit immer widerstandsfähiger, immer farbiger, immer schöner.

Beteiligte

Bauherr
Architektur
Landschaftsarchitektur
Tragwerksplanung
Nachrichtentechnik
Fördertechnik
Kupferverarbeitung
Bauüberwachung
Termin- und Kostenplanung
Gebäudetechnik (Planung)
Elektrotechnik (Planung)
Kupfer am Bau

Relevante Webseiten

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Relevante Literatur

  • Über diese
    Datenseite
  • Structure-ID
    20015962
  • Erstellt am
    06.04.2005
  • Geändert am
    29.07.2014