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Ulrich Finsterwalder

Deutscher Bauingenieur.

Biografische Angaben

Name: Ulrich Finsterwalder
Geboren am 25. Dezember 1897 in , Bayern, Deutschland, Europa
Verstorben am 5. Dezember 1988 in , Bayern, Deutschland, Europa
Wirkungsstätte(n):
1923

Diplom an der Technischen Hochschule Müncehn, arbeitet mit Franz Dischinger bei Dyckerhoff & Widmann AG.

1929

Sondervorschlag für die Dreirosenbrücke in Basel als vorgespannte Auslegerbrücke

1930

Promotion, Thema: Differentialgleichung zur Berechnung der Verformungen bei Tonnenschalen

1933

Leiter des Konstruktionsbüros bei Dyckerhoff & Widmann

1950

Balduinbrücke über die Lahn, erster Versuch eines Freivorbaus einer vorgespannten Brücke

1970

Freyssinet-Medaille der Féderation internationale de la Précontrainte (FIP)

Lebensweg eines Pioniers

Ulrich Finsterwalder wird am 25. Dezember 1897 in München geboren. Seine Mutter Franziska (geb. Malepel) stammt aus einer Südtiroler Mühle bei Brixen. Ihr werden sein Sinn für unternehmerisches Handeln und seine Ausdauer und Zähigkeit zugeschrieben. Von seinem Vater Sebastian Finsterwalder, Professor für Geometrie an der Technischen Hochschule München, soll er die mathematisch-technische Begabung geerbt haben.

1916 legt er in München sein Abitur ab, wird gleich zu den Pionieren eingezogen und muss in den Krieg ziehen. Die Jahre 1918 bis 1920 in französischer Kriegsgefangenschaft nutzt er zum Teil für seine Weiterbildung in Mathematik. Der Dreiundzwanzigjährige schreibt sich nach Anraten seines Vaters zum Wintersemester 1920/21 an der TH München zunächst in der Fachrichtung Maschinenbau ein, wechselt jedoch zum Sommersemester 1921 zum Bauingenieurwesen; ein Glück für die Entwicklung des Stahlbetonbaus, wie sich herausstellen wird. Er schreibt: "Als ich 1920 nach vierjährigem Kriegsdienst das Studium als Bauingenieur an der TH München beginnen wollte, wurde mir von meinem Vater, der dort den Lehrstuhl für Darstellende Geometrie inne hatte, abgeraten. Seine Fachkollegen meinten, dass auf diesem Gebiet nichts mehr zu entwickeln wäre und ich deshalb ein anderes Fach, nämlich das Maschinenwesen studieren sollte. Ich ließ mich aber nicht abhalten."

Sein Professor für Mechanik an der TH München ist Ludwig Föppl. Er erweckt in ihm das Interesse für Schalenkonstruktionen, was den ehrgeizigen Studenten dazu führt, seine Diplomarbeit über die Theorie der Netzwerkschalen anzufertigen. Gleichzeitig entwickelt Finsterwalder die Theorie der querversteiften Zylinderschalen.

Um 1923 arbeiten zwei wichtige Persönlichkeiten an der Theorie und Herstellung von dünnwandigen Kugelschalen. Walter Bauersfeld, Forschungsleiter der Zeiss-Werke in Jena für Planetariumskuppeln und ein bekannter Physiker, und Franz Dischinger, der führende Statiker und Oberingenieur der Firma Dyckerhoff & Widmann.

Der junge Absolvent Finsterwalder bewirbt sich mit Erfolg bei Dyckerhoff & Widmann und wird zunächst als Verbindungsmann für die Weiterentwicklung der Schalenbauweise zu Carl Zeiss nach Jena geschickt. Finsterwalder schreibt: "Ein Schulfreund, der … im Zeisswerk in Jena tätig war, hatte mir interessante Dinge vom Bau einer Planetariumskuppel erzählt. Es handelte sich um ein filigranes kugelförmiges Netzwerk von 16 m Durchmesser, mit dem die Form hergestellt wurde. Das Netzwerk wurde nach dem Torkretverfahren einbetoniert, um sowohl einen Projektionsschirmfür die Darstellung des Sternenhimmels als auch einen Raum für die Zuschauer zu bieten".

In den folgenden zwei Jahren arbeitet er in Jena an der 40 m weit gespannten und mit 7,9 m Pfeilhöhe sehr flachen Schalenkuppel der Glaswerke Schott, einer Schwesterfirma der Zeisswerke. Die Schale hat eine Dicke von nur 6 cm, weswegen von ihrem Bau etliche Fachleute dringend abraten.

Finsterwalder studiert die Wirkungsweise der zylindrischen Schalen an Blechmodellen, um die Richtigkeit der Membrantheorie der Zylinderschale durch Messungen der Formänderung zu überprüfen. Seine Erkenntnisse baut er zur Biegetheorie der freitragenden Kreiszylindersegmentschale aus und promoviert damit 1930 bei Ludwig Föppl mit Auszeichnung. Diese Arbeit wird zur theoretischen Grundlage der "Zeiss-Dywidag-Schalenbauweise."

1925 kommt Finsterwalder in das Konstruktionsbüro der Hauptverwaltung nach Wiesbaden-Biebrich, wo er mit dem zehn Jahre älteren Franz Dischinger zusammenarbeiten kann. Unter seiner Leitung baut er 1926/28 die Großmarkthalle in Frankfurt. Mit 15 zylindrischen Schalenträgern von 7 cm Dicke wird ein Raum von 50.260 m2 überdacht.

1930, im Jahr seiner Promotion, heiratet er Eva Habild, die Tochter eines Dyckerhoff & Widmann-Ingenieurs.

Nach der Berufung von Franz Dischinger an die Technische Hochschule Berlin Charlottenburg wird Dr. Finsterwalder Chefkonstrukteur der Firma Dywidag und formt sie insgesamt 50 Jahre lang. 1933 übernimmt er als Chefkonstrukteur die Leitung des Konstruktionsbüros der Hauptverwaltung in Berlin. 1941, während des Zweiten Weltkriegs, wird er Mitglied der Geschäftsleitung. Nach dem Krieg steigt er 1948 zum persönlich haftenden Gesellschafter auf und übernimmt die Aufgabe, die Konstruktionsbüros der Firma wieder aufzubauen.

Die Berufung an den Lehrstuhl für Massivbau der Technischen Hochschule München und an andere Hochschulen lehnt er z.T. selbst ab, z.T. werden die Berufungen durch die Nationalsozialisten verhindert, weil er kein Parteimitglied ist. In erster Linie will Finsterwalder seine Vorstellungen unbedingt in die Praxis umsetzen. Als Chefkonstrukteur einer Großfirma stehen ihm ein technisches Büro mit versierten und engagierten Ingenieuren aller im Bau beteiligten Fachrichtungen von Statik bis Kalkulation und Baubetrieb sowie eine materialtechnische Versuchsanstalt zur Verfügung. Es gelingt ihm, zahlreiche Erfindungen zu machen, die den Stahlbetonbau weiterentwickeln und Bauwerke jeder Art in einer Qualität und Quantität selber zu bauen oder mittelbar zu beeinflussen, wie es kaum von einem anderen Ingenieur bekannt ist.

Finsterwalder bildet mehrere Generationen von hervorragenden Ingenieuren in "seiner" Firma aus. Durch seine Schule gehen zahlreiche spätere Professoren für Stahlbetonbau und Statik sowie Inhaber und Leiter weltweit bedeutender Ingenieurbüros und Firmen, wie z. B. Hubert Rüsch, Anton Tedesko, Leonhard Obermeyer, Herbert Kupfer, Georg Knittel und Dieter Jungwirth. Besonders hervorzuheben sind auch der Brückenspezialist Herbert Schambeck und Helmut Bomhard, der für alle "Nichtbrückenbauten" zuständig ist.

Pionierarbeit leistet er nicht nur bei Schalenbauten und Hallen. Es gibt kaum einen Bereich des Stahlbetonbaus, in dem Finsterwalder keine Spuren hinterlässt. Um nur einige zu nennen: Stahlbetonfachwerkträger mit Vorspannung durch Eigengewicht, Boote und Schwimmkörper aus Stahlbeton, Bauten für den Luftschutz und Hochbauten wie die BMW-Verwaltung in München, Spannbetonbrückenbau – insbesondere die Entwicklung des freien Vorbaus – und Hängedächer wie bei der Schwarzwaldhalle in Karlsruhe, bis hin zu vorgespannten Eisenbahnschwellen. Und nicht zu vergessen; seine Entwürfe für den Brenner Basistunnel und für die Unterquerung der Meeresenge von Messina, an denen er noch mit 90 Jahren arbeitet.

Für sein Lebenswerk wird er mehrfach geehrt. Unter anderem erhält er

  • 1950 die Ehrendoktorwürde der TH Darmstadt,
  • 1968 die Ehrendoktorwürde der TH München,
  • 1953 die Emil-Mörsch-Denkmünze des Deutschen Beton-Vereins,
  • 1963 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.
  • 1968 wird er zum Außerordentlichen Mitglied der Akademie der Künste Berlin ernannt.
  • 1970 erhält er die Freyssinet-Medaille.
  • 1976 wird er als erster Ausländer Mitglied der National Academy of Engineering der Vereinigten Staaten.

Ein Jahr später erhält er als erster Brückenbauer den Preis der Internationalen Vereinigung für Brückenbau und Hochbau (IVBH/IABSE). In über 80 Aufsätzen und Vorträgen veröffentlicht Finsterwalder seine Erfindungen und Entwürfe, die den Ingenieurbau nicht nur in Deutschland, sondern weltweit beeinflussen und weiterentwickeln.

Mit 76 Jahren und nach 50-jähriger Berufstätigkeit scheidet Finsterwalder 1973 aus dem aktiven Firmendienst aus und ist noch weitere 15 Jahre als unabhängiger Beratender Ingenieur tätig. Seinen Arbeitsraum bei Dywidag behält er jedoch bei. Unter anderem wird er bei Großprojekten wie bei der Brücke über die Meerenge von Messina und dem Brenner Basistunnel als Berater hinzugezogen.

Ausschnitt aus: Ulrich Finsterwalder 1897–1988: Ein Leben für den Betonbau von Prof. Dipl.-Ing. Cengiz Dicleli, erschienen in Beton- und Stahlbetonbau, 108, Heft 9, September 2013, S. 662–673. Literatur- und Bildhinweise wurden in dieser Version ausgelassen.

Bauwerke und Projekte

Beteiligung an den folgenden Bauwerken und Projekten:

Entwurf
Ingenieur
Tragwerksplaner

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Bibliografie

  1. Finsterwalder, U. (1965): La construcción de puentes de hormigón pretensado. Nuevas posibilidades. In: Hormigón y acero, v. 16, n. 74 (1. Quartal 1965), S. 15-19.
  2. Dischinger, Franz / Finsterwalder, Ulrich (1932): Die weitere Entwicklung der Schalenbauweise "Zeiss-Dywidag" (Teil 7). In: Beton und Eisen, v. 31, n. 16 ( 1932), S. 245-247.
  3. Dischinger, Franz / Finsterwalder, Ulrich (1932): Die weitere Entwicklung der Schalenbauweise "Zeiss-Dywidag" (Teil 6). In: Beton und Eisen, v. 31, n. 15 ( 1932), S. 229-235.
  4. Dischinger, Franz / Finsterwalder, Ulrich (1932): Die weitere Entwicklung der Schalenbauweise "Zeiss-Dywidag" (Teil 5). In: Beton und Eisen, v. 31, n. 14 ( 1932), S. 213-220.
  5. Dischinger, Franz / Finsterwalder, Ulrich (1932): Die weitere Entwicklung der Schalenbauweise "Zeiss-Dywidag" (Teil 4). In: Beton und Eisen, v. 31, n. 12 ( 1932), S. 181-184.
Weitere Veröffentlichungen...

Relevante Literatur

Weitere Veröffentlichungen...
  • Über diese
    Datenseite
  • Person-ID
    1000011
  • Erstellt am
    29.12.1998
  • Geändert am
    22.07.2014