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115 Meter über Talgrund - Höhenrekord geht an Talbrücke Nuttlar

Brücken überwinden von Natur aus gegebene Grenzen. Sie sind oft von majestätischer Schönheit und stets Meisterwerke des menschlichen Erfindungsgeistes. Gemessen werden sie an ihren Dimensionen und an ihrer bautechnischen Komplexität. Beides vereint findet sich in der Talbrücke Nuttlar, Nordrhein-Westfalens höchstes Brückenbauwerk.

Von insgesamt 13 Brückenbauwerken wird der Weiterbau der A 46 zwischen Velmede und Nuttlar getragen, wenn in den nächsten Jahren die Autobahn als neue leistungsfähige Verbindung der Wirtschaftsräume des östlichen Ruhrgebiets und des oberen Ruhrtals fertiggestellt sein wird. Bautechnisches Highlight und größte Herausforderung zugleich in diesem rund 6 km langen Abschnitt ist zweifellos die Talbrücke Nuttlar. Mit bis zu 115 m Höhe entsteht hier Nordrhein-Westfalens höchste Brücke und übertrifft bei ihrer Fertigstellung im Oktober 2013 den bisherigen Rekordhalter, die Siegtalbrücke bei Siegen, um 5 m.

Präzisionseinschub von 8.000 Tonnen Rohstahl

Aufgrund der schwierigen topografischen Lage werden über 2,3 km der Neubauabschnitte der A 46 auf Brückenbauwerken verlaufen. Mit einer Länge von 660 m wird die Talbrücke Nuttlar, für deren Realisierung die Firmengruppe Max Bögl vom Landesbetrieb Straßenbau NRW beauftragt wurde, dann auch die längste Spannweite aufweisen. Insbesondere die Stützweiten zwischen den sechs Doppelpfeilern mit Abständen von 77 bis 115 m sind außergewöhnlich groß und bedingen somit eine besondere Bauweise. Der über die gesamte Autobahnbreite gehende Überbau besteht deshalb aus einem einteiligen Stahlverbundhohlkasten mit außen liegender Strebenkonstruktion.

Die große Höhe über Tal, die großen Stützweiten, die enge Trassenführung mit 1.000 m Radius und die Ausführung im Taktschiebeverfahren ohne Hilfsstützen veranlassten den Bauherrn, beim Bau der Talbrücke Nuttlar von der sonst üblichen Trennung der Über- und Unterbauten je Fahrtrichtung abzusehen. Präzise gefertigt im Stahlbauwerk in Sengenthal, werden dazu insgesamt 140 gewaltige Stahlbauteile mit Einzellängen bis zu 35 m angeliefert. Vor Ort wird dann das stählerne Bauteil-Puzzle aus bis zu 120 t schweren Elementen im Taktkeller zusammengesetzt, verschweißt und anschließend von Ost nach West in luftiger Höhe eingeschoben. Knapp 100 Facharbeiter werden dazu in Spitzenzeiten auf der Brückenbaustelle beschäftigt sein.

Außergewöhnliches Brückenpfeiler-Design

Im Mittelpunkt der Brückenbauarbeiten steht zurzeit jedoch der Bau der als Doppelpfeiler ausgebildeten, massiven Rundpfeiler mit einem Durchmesser von drei bis 5 m. Bis auf eine Ausnahme ebenso wie die Widerlager flach auf Fels gegründet, wird der stählerne Überbau auf diesen für das Bauwerk charakteristischen Brückenpfeilern ruhen, die über horizontale Rundriegel in Stahlbauweise entsprechend ausgesteift sind. Wie überdimensionale Spargelspitzen wachsen die zu einem großen "A" zueinander laufenden Pfeiler rund 5 m pro Woche in den Himmel. Die gewaltigen Fundamente dafür haben mit rund 28 x 14 m und 4 m Höhe Ausmaße, die denen eines Einfamilienhauses entsprechen. Um die Lasten der neuen Brücke sicher in den Boden zu leiten, wurde ein Fundament zuvor über Großbohrpfähle bis zu 15 m tief im Baugrund verankert.

Aufgrund der teilweise vorhandenen Hanglage an den Brückenenden werden die Widerlager in Brückenquerrichtung über aufgelöste Widerlagerscheiben, dem Felsverlauf entsprechend, in abgetreppter Form gegründet. Schwieriges Terrain mit steilen Felshängen stellen dabei nicht nur an die Gründung des Brückenbauwerkes hohe Anforderungen. Hangneigungen von bis zu 33 Grad bergen auch Gefahren für das Baustellenpersonal und sorgen für gewaltige Massen, die bewegt werden müssen. Eine weitere Herausforderung ist die Erreichbarkeit der einzelnen Baustellen entlang des Autobahnabschnittes, die nahezu alle außerhalb des Verkehrsraums liegen. Für die Andienung von Baumaterialien entstand deshalb ein Netz aus mehreren Baustraßen mit einer Gesamtlänge von rund 13 Kilometern. Überwiegend wurden dazu bereits vorhandene Wirtschaftswege ausgebaut. Knapp 30 Jahre Planung und Genehmigungsverfahren, 13 Brückenbauwerke mit über 2,3 km Länge, rund 880.000 m³ Erdbewegungen: Der Weiterbau der A 46 zwischen Velmede und Nuttlar zählt derzeit zu den außergewöhnlichsten Straßenbauprojekten in Nordrhein-Westfalen. Dass mitten im Sauerland mit der 115 m hohen Talbrücke Nuttlar in knapp zwei Jahren zugleich ein neuer Rekordhalter auf die Bühne tritt, ist auch für die Brückenbauspezialisten von Max Bögl etwas ganz Besonderes.

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  • Product-ID
    6328
  • Erstellt am
    07.06.2013
  • Geändert am
    27.11.2014