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Betonstopfsäulen für die Gründung eines Möbel-Einrichtungshauses

Alternativ zu klassischen Pfahlsystemen finden in der Baupraxis pfahlähnliche Gründungselemente Anwendung. Hierzu zählen z.B. Fertigmörtel- und Betonstopfsäulen.

Die Herstellung erfolgt mittels Tragraupe und Schleusenrüttler. Der Rüttler fährt bis zur geplanten Endteufe in den Boden ein. In einem ersten Schritt wird ein Säulenfuß aus Kies zur Verbesserung der Tragfähigkeit hergestellt. In besonders weichen Böden ist auch eine Kiesvorvergütung im Schaftbereich möglich. Im Anschluss erfolgt die Herstellung der eigentlichen Fertigmörtel- oder Betonstopfsäule. Dazu wird der Materialbehälter der Tragraupe mit vorgemischtem Mörtel (Fertigmörtel) oder Beton mit definierter Zusammensetzung gefüllt und unter Verwendung einer Schleuse mit Druckluftunterstützung der Rüttlerspitze zugeführt. Durch abwechselndes Ziehen und Wiederversenken wird die Säule stopfend aufgebaut. Einzelheiten zur Anwendung, Bemessung und Ausführung sind in der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung Z-34.2-3 geregelt.

Gering bis mäßig tragfähige Lösslehme

Die grundbautechnischen Vorteile und vielseitigen Anwendungsgebiete konnten bei dem Neubau eines Möbelhauses in Mainz erneut erfolgreich gezeigt werden. Die Möbel Martin GmbH & Co. KG hat ihren Sitz in Saarbrücken. Im neuen Hechtsheimer Wirtschaftspark Mainz-Süd investierte Möbel Martin in ein 50-Mio-€-Projekt, den Neubau eines vierstöckigen Einrichtungshauses mit 45.000 m² Verkaufsfläche. Möbel Martin Mainz wurde – als Flaggschiff des Unternehmens – im Herbst 2012 eröffnet. Gemäß der geologischen Karte von Rheinland-Pfalz liegt das Projektgelände im Verbreitungsgebiet pleistozäner Lössablagerungen. Im Baugrundgutachten wurden gering bis mäßig tragfähige Lösslehme im setzungsrelevanten Baugrundbereich bestätigt. Mit den zunächst angenommenen Lasten und Fundamentgrößen ergaben sich rechnerische Setzungen von mehr als 6 cm, die als bauwerksunverträglich eingestuft werden mussten.

Zum Abtragen der hohen Fundamentlasten in die tiefer anstehenden, tragfähigeren Residualtone wurde eine Tiefengründung mit Betonsäulen empfohlen. Vor Beginn der Gründungsarbeiten wurden zur Ermittlung des Tragverhaltens drei Betonstopfsäulen hergestellt und statische axiale Probebelastungen gemäß EA-Pfähle durchgeführt. Die Versuchsergebnisse bestätigten die Bemessungsannahmen. Das von Keller Grundbau auf Grundlage der Erkenntnisse der Probebelastungen erstellte Angebot zur Durchführung der Spezialgründung erhielt den Zuschlag. Aufgrund der vorgegebenen Terminschiene kamen zwei Tragraupen vom Typ TR 04 mit Schleusenrüttler zum Einsatz, die Versenktiefen von bis zu etwa 19 m ermöglichen. Zur Betonherstellung vor Ort wurde eine von Keller Grundbau entwickelte Mischanlage verwendet.

Zusätzliche Nachtschichten

Der Bauablauf von Keller Grundbau musste aufgrund der engen Terminsituation mit den Nachfolgegewerken abgestimmt werden. Dies stellte eine besondere Herausforderung an alle am Bau Beteiligten dar, die allerdings aufgrund der außerordentlich guten Zusammenarbeit untereinander problemlos gemeistert wurde.Trotz eines Zusatzauftrages für Keller – Baugrundverbesserung im Bereich der Bodenplatte des Hochregallagers durch Schottersäulen – konnten die Terminpläne der Folgegewerke eingehalten werden. Mit Genehmigung der Stadt Mainz wurden zeitweise beide Tragraupen von Keller zusätzlich in Nachtschichten für die Gründungsarbeiten eingesetzt. Insgesamt produzierte Keller für Möbel Martin 1.743 Betonstopfsäulen und 355 Schottersäulen, in Summe etwa 31.000 laufende Versenkmeter.

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  • Über diese
    Datenseite
  • Product-ID
    6238
  • Erstellt am
    30.04.2013
  • Geändert am
    11.12.2014