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Das Pretziener Wehr – Frisch saniertes Baudenkmal bewahrt Menschen auch 2013 vor Flut-Katastrophe

Südlich der Ortschaft Pretzien erstreckt sich ein riesiges, denkmalgeschütztes Bauwerk aus Sandstein und Metall. Es reguliert den Zulauf zu einem ca. 25 km langen Umflutkanal, der im Hochwasserfall etwa ein Drittel des Elbewassers an den Städten Magdeburg und Schönebeck vorbei leitet. Das Pretziener Wehr ist das größte Schützentafelwehr Europas und gilt als eine der effektivsten Hochwasserschutzeinrichtungen Mitteldeutschlands. Am 3. Juni letzten Jahres wurde es zum 64. Mal geöffnet und schützte damit die Elbstädte Magdeburg und Schönebeck wie schon seit fast 140 Jahren erneut vor den bedrohlichen Wassermassen.

Aufgabe des Wehres

Indem das Pretziener Wehr durch die feste Wehrschwelle das Abfließen des Wassers in den östlich der Elbe in einem Altarm künstlich angelegten Umflutkanal verhindert, sorgt es bei Niedrigwasser für die Erhöhung des Wasserspiegels für die Schifffahrt auf der Stromelbe.

Bei erhöhtem Mittelwasser schützt es das auch landwirtschaftlich genutzte Umflutgelände vor Überflutungen. Diese Hochwässer werden über die Stromelbe abgeleitet und das Stauwehr bleibt geschlossen.

Im Falle von Hochwasser wird das Wehr über einen bestimmten, in der Bedienvorschrift geregelten Pegelstand geöffnet und dadurch etwa ein Drittel des Wassers in den Umflutkanal abgeleitet. Das sind immerhin über 1.500 m³ je Sekunde.

Korrosionsschutz

Rost ist der schlimmste Feind von Eisen und Stahl und beeinflusst die Funktionsfähigkeit und Statik des gesamten Wehres. Hinsichtlich der Korrosionsbelastung ist das Wehr allgemein in die Korrosivitätskategorie C2 nach EN ISO 12944-2 einzuordnen. Aufwendiger geschützt wurden die durch das Wasser beanspruchten und fest in die Unterbauten enggebundenen Stahlteile.

Herausforderung bei der Beschichtung der Fügespalte

Hauptprobleme des Korrosionsschutzes bei der Erneuerung der Wehrbrücken waren die Konservierung des Stahls im Bereich der zahlreichen Fügespalte, die Bestandteil der historischen Nietkonstruktion sind, sowie die hohe mechanische Belastung der Teile der Verschlusseinrichtung während des Betriebs. Die Fügespalte der vorgestrahlten Bleche aus S 235 wurden vor dem Vernieten mit einer EP-Zinkstaubgrundierung (SikaCor® Zinc R) vorbehandelt. Nach der Fertigstellung der einzelnen Baugruppen im Stahlbau wurden die Teile in den Korrosionsschutzbetrieb ilako transportiert und dort unter definierten klimatischen Bedingungen weiter bearbeitet.

Sämtliche Teile wurden nochmals sorgfältig im Normreinheitsgrad Sa 2 ½ gestrahlt. Nach der Grundierung mit EP-Zinkstaub (SikaCor® Zinc R) sind die Fügespalte mit einem überschichtbaren PU-Dichtstoff (SikaFlex®-11 FC) zusätzlich abgedichtet worden. Für alle Bauteile des Wehres kamen so über 7,4 km abzudichtende Spalte zusammen.

Vierschichtiges System für die Wehrbrücken

Die korrosiv geringer beanspruchten Baugruppen des Wehres wurden durch ein vierschichtiges System mit insgesamt 290 µm Schichtdicke (SikaCor® EG-System) geschützt. Die Deckbeschichtung ist im Eisenglimmerfarbton DB 601 ausgeführt.

Beschichtung der Nietkonstruktion

Besondere Sorgfalt erforderten die Korrosionsschutzarbeiten wegen der fein gegliederten Oberfläche der Nietkonstruktion. Dabei mussten für das Pretziener Wehr rund 49.000 Niete von der Firma Henschel Metallbau mit traditioneller Technik einzeln gefertigt und warm gesetzt werden. Neben einem zusätzlichen Kantenschutz aus einem EP-Zinkphosphat (SikaCor® EG Phosphat) galt es sämtliche Nietköpfe vor dem Airless-Spritzen mit dem jeweiligen Stoff manuell vor zu holen. Insgesamt waren das immerhin fast 100.000 Nietköpfe.

Beschichtung der Verschlusseinrichtung

Eine weitere Herausforderung war die Handhabung der ebenfalls mit zu schützenden 3.500 Einzelteilen der feingliedrigen Verschlusseinrichtung und der Anbauteile an die Wehrbrücken. Alle Teile mussten, genauso wie die großen Stahlbaugruppen auch, vorbereitet, beschichtet, verpackt und zur Baustelle transportiert werden.

Die eigentliche Verschlusseinrichtung ist im Betrieb und bei der Betätigung hohen mechanischen Belastungen ausgesetzt. Daher wurden diese Teile auf eine EP-Zinkstaubbeschichtung (SikaCor® Zinc R) mit einem schweren Korrosionsschutzsystem, basierend auf einem EP High Solid (SikaCor® SW-500) appliziert und mit einer PUR-Eisenglimmerbeschichtung (SikaCor® EG-4) abgedeckt. Damit wurde eine Gesamtschichtdicke von 630 µm erreicht. Diese Bauteile wurden wegen der hohen Korrosionsbelastung nicht wieder als Nietkonstruktion ausgeführt, sondern sind voll verschweißt. Die Nietköpfe sind lediglich Attrappen.

Ergänzungsteile aus Edelstahl und verzinktem Stahl

Komplettierungsbauteile des historischen Wehres sind zeitgemäß aus Edelstahl bzw. aus verzinktem Stahl hergestellt worden. Um das Gesamtbild der Anlage durch diese Bauteile nicht negativ zu beeinträchtigen, wurden sie ebenfalls mit dem Farbton DB 601 beschichtet. Für die wenigen Edelstahlteile wurde nach einem Anstrahlen durch Sweepen ein zweischichtiges System, bestehend aus EP (SikaCor® EG-1)und PUR-Eisenglimmer (SikaCor® EG-4) mit einer Schichtdicke von 160 µm appliziert. Die verzinkten Bauteile, z.B. die Lichtmasten, erhielten zusätzlich noch eine weitere Zwischenbeschichtung auf EP-Basis (SikaCor® EG-1), so dass die Gesamtschichtdicke hier 210 µm beträgt.

Rückblick

Zusammen mit den Oberflächen der Unterbauten aus dem sächsischen Sandstein und dem Wehrbrückenbelag aus westafrikanischem Bongossiholz ergibt die beschichtete Stahlkonstruktion ein einzigartiges technisches Ensemble.

Für diesen Erhalt haben 13 Firmen aus der Region engagiert gearbeitet – präzise und mit fachlichem Know-How. So konnte eine ingenieurtechnische Meisterleistung aus dem 19. Jahrhundert als wichtiger Bestandteil der Hochwasserschutzkonzeption des Landes Sachsen-Anhalt erhalten werden. Das Pretziener Wehr liegt übrigens am internationalen Elbe-Radwanderweg und ein Besuch ist jedem Technikinteressierten zu empfehlen.

Bautafel

Objekt Pretziener Wehr
Planung BACH + BACH Ingenieure, Irxleben
Ausführung Ilako GmbH & Co. KG
Hersteller Korrosionsschutz Sika Deutschland GmbH

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Referenzen

Pretzien, Schönebeck (Elbe), Salzlandkreis, Sachsen-Anhalt, Deutschland (1875)

  • Über diese
    Datenseite
  • Product-ID
    7216
  • Erstellt am
    25.11.2014
  • Geändert am
    09.01.2018
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