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Das sich selbst bezahlende Privatkraftwerk

Die Verstromung von Bio-Erdgas gehört zu den umweltfreundlichsten Methoden der Energiegewinnung. Das Erneuerbare- Energien-Gesetz ("EEG") garantiert einen Bestandsschutz der Anlagen über 20 Jahre. In Niedersachsen nutzen deshalb bereits ein großer Teil der Agrarbetriebe diese Form der Förderung, indem sich das errichtete Kleinkraftwerk binnen weniger Jahre quasi selbst bezahlt.

Die G. Büter Bauunternehmen GmbH & Co. KG (Ringe) erhielt den Auftrag, die Rohbauarbeiten für eine private Biogasanlage binnen weniger Wochen im September und Oktober 2010 durchzuführen. Dazu zählen ein Technikgebäude, Vorlagebehälter, sowie drei große Rundbehälter aus Ortbeton: ein Fermenter (Durchmesser 21 Meter), ein Nachgärer (24 m) sowie ein Gärrestlager (32 m). Die Höhe der Behälter beträgt jeweils 6 m, die Wandstärke einheitlich 20 cm. Zuvor war für die Flachgründung der Aushub der Kiese, Sande und Torfe erfolgt, wobei aufgrund des nur 1 m unter Geländeoberkante liegenden Grundwasserspiegels eine offene Wasserhaltung erforderlich war. Die Bodenplatte wurde aus Beton C35/45 erstellt.

Rundschalung – schnell und einfach in der Montage

Vom letzten Biogasanlagenauftrag aufgestockt und vorgerundet kam die Rundschalung auf die Baustelle und konnte sofort aufgestellt werden. Der starke Kran in Baustellenmitte bediente dabei alle zu erstellenden Gebäude gleichermaßen.

Ein Takt war außen 14,40 m und innen 13,80 m breit. Aufstellen der Stellschalung, Bewehrungsarbeiten, Aufstellen der Schließschalung einschließlich Einbau einer 1,0 m hohen PEHD-Noppenbahn im obersten Bereich (zum Schutz des Betons vor dem ätzenden Biogas), Betonage – danach Abbau der Schalung, Reinigung, Umsetzen: Was bei anderen Schalungen zu einer Fleißaufgabe wird, ging bei der TTR recht schnell, zumal das Nachjustieren oder die bauseitigen Beischalarbeiten komplett entfallen. Die TTR bewies ihre überragenden Baustelleneigenschaften, sodass pro Tag ein kompletter Takt fertiggestellt werden konnte. "Mit dieser Qualität gibt es keine andere Rundschalung!", behauptet der Bauleiter der Büter-Bau, Dipl.-Ing. Arndt Kuipers aus Erfahrung und Überzeugung. Die Spannstellen im obersten Bereich entfielen, stattdessen wurde die Schalung überspannt. Dies reduzierte Arbeitszeit und Materialkosten und steigerte die Qualität der Betonoberfläche. Für die ca. 2.000 m2 zu schalende Fläche wurden gerade einmal 170 m2 Rundschalung verwendet. Im Besitz der Fa. Büter befinden sich zwei Schalungssätze von 14,40 m, zwei weitere werden zugemietet.

Insgesamt sind 4 Schalungskolonnen für den Bau von Biogasanlagen im gesamten nordwestdeutschen Raum unterwegs. Summarisch wurden in diese Anlage 770 m3 Beton C35/45 sowie 71 Tonnen Bewehrung eingebaut.

Flexibel bis auf Radius von 2,5 m krümmbar

Die radienverstellbare TRAPEZTRÄGER-Rundschalung (TTR) wird von der Fa. Büter ganz gezielt für die Errichtung von Biogasanlagen eingesetzt. Die TTR hat eine 21 mm starke, 15-schichtige nagelbare Schalhaut aus finnischem Birkensperrholz und ist das einzige System, das flexibel bis auf einen Radius von 2,5 m heruntergekrümmt werden kann, während andere Schalhäute entsprechender Dicke hier brechen oder Wellen bilden. Als so genannte "Zweiträger-Segmente" (d. h. ein Segment mit zwei Längsträgern) umfasst sie sogar Radien bis 1,0 m mit einer 18-mm-Schalhaut. Dabei ist die Schalung stabil, absolut rund und maßgenau und verzieht sich auch bei mehrmaligem Umsetzen nicht. Der Umfang kann dabei bis auf den Zentimeter und ohne bauseitige Restmaßausgleiche eingeschalt werden. Der Quadratmeter Schalfläche nimmt, obwohl es teilweise nur 0,28 Spannstellen pro Quadratmeter gibt, bis zu 60 kN an Frischbetondruck auf. Genau diese Vorteile, die vor allem bei anspruchsvollen technischen Bauten, aber auch in der hochwertigen Architektur zum Tragen kommen, nutzte man, um diesen Rundbehälter zu schalen. Aufgrund der schnellen Umsetzvorgänge, der besonders geringen Anzahl an Spannstellen, und weil die Schalung weder nachgerundet noch zusätzlich mit Gurtungen gestützt werden musste, verliefen sämtliche Arbeiten bequem, sicher, in kürzester Zeit und somit in der bestmöglich bekannten Weise und effizient. Die geringe Anzahl der Spannstellen erhöhte zudem die Qualität der Betonoberfläche.

Aufgrund der erheblich geringeren Länge an Fugen sowie der gleichmäßigeren Überdeckung der Bewehrung durch den Beton ist die Taktbauweise der Ringbauweise qualitativ überlegen.

Dipl.-Geol. Frank G. Gerigk

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    19.10.2012
  • Geändert am
    11.12.2014