• de
  • en
  • fr
  • Internationale Datenbank für Ingenieurbauwerke

Der fliegende Teppich von Paris

Das Louvre Museum in Paris hat mit einem spektakulären Anbau neuen Raum geschaffen für die Präsentation islamischer Kunst. Elegant und scheinbar schwebend überdacht die Konstruktion aus Glas und Metall den Cour Visconti genannten Innenhof des Louvre. Das Glas für die rund 2.000 Scheiben der Überdachung lieferte die Flachglaswerk Radeburg GmbH.

Der Pariser Louvre ist eines der größten und bekanntesten Museen der Welt. Untergebracht im historischen Stadtschloss am nördlichen Ufer der Seine beherbergt es auf rund 60.000 m² Kunstwerke aus aller Welt – darunter auch die berühmte "Mona Lisa" von Leonardo da Vinci. Doch nicht nur die Gemälde und Kunstwerke, die hier zu sehen sind, locken jährlich Millionen von Besuchern an. Auch die modernen Erweiterungsbauten des Museums sind eigene Attraktionen. 1989 sorgte eine Pyramide aus Glas, die im zentralen Innenhof des Gebäudes errichtet wurde, für erregte Diskussionen. Heute gilt die als Haupteingang zum Museum genutzte Pyramide als eines der Wahrzeichen der Stadt. Zu ähnlicher Bekanntheit könnte auch der zweite moderne Anbau des Louvre gelangen. Entworfen wurde die Glas-Metall-Konstruktion von Architekt Rudy Ricciotti aus Marseille und dem Designer Mario Bellini aus Mailand. Sie gingen als Sieger aus einem internationalen Architektur-Wettbewerb hervor, der für das Projekt ausgeschrieben worden war.

Künstlerische und politische Ambitionen

Einerseits ging es um die neue Präsentation der Abteilung für islamische Kunst – ein Vorhaben nicht nur aus künstlerischen Motiven, sondern auch mit politischen Ambitionen. Denn der Anstoß für den Neubau kam 2003 vom damaligen französischen Präsidenten Jacques Chirac, der die "leuchtende Seite des Islam" in die Öffentlichkeit bringen wollte. Zum anderen standen die Architekten vor der schwierigen Aufgabe, die neue, moderne Architektur in eine harmonische Beziehung mit dem denkmalgeschützten Altbau zu bringen. Dem Team Ricciotti/Bellini ist beides meisterhaft gelungen. Wie ein fliegender Teppich aus Glas und Metall überspannt die sanft gewellte Konstruktion fast den gesamten Innenhof, hält aber einen Abstand von 2,5 bis 4 m zum umgebenden Altbau. Das Glasdach ist beidseitig von einem Metallgeflecht aus Bronzedraht umgeben und "schwebt" in einer Höhe von 6 bis 8 m über den Ausstellungsräumen. Der goldene Farbton des Teppichs harmoniert dabei mit den beigen Farbtönen der Sandsteinfassaden des Louvre. "Der Cour Visconti sollte nicht überdeckt, sondern sichtbar bleiben. Wir wollten eine sanfte und nicht gewaltsame Integration eines entschieden zeitgenössischen Architekturdesigns in einem historischen Umfeld erreichen", erklärten die beiden Architekten ihren Entwurf.

1.200 t schwere Stahlkonstruktion

Getragen wird die rund 1.700 m² große Überdachung aus Glas von einer 1.200 t schweren Stahlkonstruktion. Ca. 8.000 Stahlrohre wurden wabenartig zusammengeschweißt. Sie bilden den Rahmen für die rund 2.000 Isolierglas-scheiben, die von der Flachglaswerk Radeburg GmbH alle einzeln angefertigt wurden. Dies war notwendig, weil alle Scheiben unterschiedlich groß sind: zwei Drittel der Scheiben wurden dreieckig mit Durchschnittsmaßen von ca. 120 cm x 120 cm x 170 cm ausgeführt, zu einem Drittel wurden wirtschaftlichere Viereckscheiben mit einer durchschnittlichen Kantenlänge von ca. 120 cm eingefügt. Als Glas wurde teilvorgespanntes Sonnenschutzisolierglas mit Sunex-Beschichtung und CEKAL-Kennzeichnung in der Ausführung als Verbund-Sicherheitsglas aus dem Hause Saint-Gobain verbaut. Der Abstandhalter im Scheibenzwischenraum ist aus farbigem Edelstahl, als Randverbund wurde graue Butylschnur gewählt. Eingerahmt wird das Glasdach durch ein doppeltes Netz aus Bronzedraht. Von außen wirkt die Überdachung blickdicht, von innen jedoch können die Besucher durch die filigrane Netzstruktur hindurch schauen. Sogar aus der zweiten Ebene im Souterrain, die in einen geheimnisvollen Halbschatten getaucht ist, erlauben Öffnungen im Zwischenboden den Blick hinauf in den goldenen Himmel. Die Netze dienen nicht nur als zusätzlicher Sonnenschutz für die Ausstellungsräume, in denen auch sehr lichtempfindliche kostbare Teppiche präsentiert werden. Durch den "Schleier" aus Bronze wird auch ein diffuses goldenes Licht erzeugt, das die Vision von Jacques Chirac, die "leuchtende Seite des Islam" zu zeigen, auf ebenso praktische wie poetische Art umsetzt.

Referenzen

Paris ( 1.), Paris, Ile-de-France, Frankreich (2012)

  • Über diese
    Datenseite
  • Product-ID
    6123
  • Erstellt am
    10.01.2013
  • Geändert am
    11.12.2014