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Dynamische Fassadengestaltung

Drei Vorrundenspiele der Fußball EM 2012 fanden im ukrainischen Lviv statt. Das Stadion wurde eigens für die Fußball-Europameisterschaft errichtet. Architektonisches Highlight ist die Fassadengestaltung des Stadiongebäudes. Sie symbolisiert das, was drinnen auf dem Rasen gefragt ist: Kraft, Dynamik und Schnelligkeit.

Am 8. Juni 2012 um 18.00 Uhr war es soweit: Der erste Pfiff der 14. Fußball-Europameisterschaft gellte über das Spielfeld und die Mannschaften von Polen und Griechenland eröffneten im Warschauer Nationalstadion den Reigen der insgesamt 31 Fußballspiele. Für Deutschland ging es einen Tag später los – in der Arena Lviv im ukrainischen Lviv (Lemberg). Knapp 35.000 Fans fasst das Stadion, das am 29. Oktober 2011 feierlich eingeweiht worden ist. Entworfen wurde es vom Wiener Architekturbüro Atelier Wimmer ZT, das die Pläne in Zusammenarbeit mit dem ukrainischen Partner-Projektteam "Arnika" bei den ukrainischen Baubehörden einreichte. Mit Ausführungsplanung und Realisierung wurde die Ukrdesigngroup; Lviv, beauftragt.

Die Arena Lviv ist das größte Stadion der Ukraine und zählt zu den modernsten Europas – nicht nur was den Einsatz neuester Technik, sondern auch was den Komfort der Fans angeht. Die Sitzreihen sind so angeordnet, dass die Besucher so dicht wie möglich am Geschehen auf dem Rasen sitzen können, jeder Zuschauer eine optimale Sicht auf das Spielfeld hat und tote Winkel vermieden werden. Außerdem liegen alle Ränge witterungsgeschützt unter dem teilweise transparenten Stadiondach.

Errichtet wurde die Arena auf einem rund neun Hektar großen Areal rund zehn Kilometer südlich des Stadtzentrums von Lviv. Den Haupteingang haben die Planer in der Nordwest-Ecke des Komplexes angeordnet. Sein Kennzeichen ist eine langgezogene, stetig ansteigend Rampe, die die Zuschauer ins Stadion führt. Diese bauliche Maßnahme hat den psychologischen Hintergrund, die Besucher einerseits auf das bevorstehende Ereignis einzustimmen und andererseits hochschlagende Emotionen hektisch agierender Fans abzubauen. Dieses Prinzip des Aggressionsabbaus haben die Architekten bereits beim Wörthersee-Stadion, das zur Europameisterschaft 2008 in Klagenfurt errichtet worden ist, erfolgreich umgesetzt.

Oben angekommen werden die Besucher vom Stadiongebäude empfangen, das sich mit einer einladenden Geste nach oben hin öffnet. Es macht damit den Weg frei zur Hauptebene, die als Promenade rund um das Stadion führt und quasi seine Hauptschlagader ist. Von hier oben, etwa zehn Meter über dem Rasen, kann man das gesamte Stadion überblicken und um das Spielfeld herumgehen. Auf diesem Rundgang finden die Zuschauer 19 Gastronomiepavillons und die Sanitäranlagen und von dieser Ebene aus gelangen sie über Treppenanlagen zu ihren Sitzplätzen. Im unteren Rang gibt es bis zu 24 Sitzplatzreihen, im oberen Rang bis zu 27.

Über die Promenade gelangt man auch in das fünfstöckige Stadiongebäude, das im Westen der Arena angeordnet ist. Zwei Geschosse liegen unter der Hauptebene und damit hinter dem unteren Rang, zwei über der Hauptebene. In der untersten Etage (Ebene 0) befinden sich Parkplätze für Behinderte, Busse und VIPs mit den entsprechenden Eingangsbereichen, ein Saal für Pressekonferenzen und natürlich die Umkleiden für die Mannschaften, Trainer und Schiedsrichter, einschließlich der Räume für Massagen, medizinische Versorgung und Sanitäranlagen. Ebene 1 (+ 5,50 Meter) beherbergt u.a. Büros für die Stadionverwaltung und Techniksteuerung.

In Ebene 3 (+14,50 Meter), die über der Promenade (Ebene 2) liegt, sind weitere Büroräume untergebracht. Hier sind außerdem das Medienzentrum, der Businessclub für rund 400 Gäste und die VIP-Logen mit den dazu gehörenden Sitzplätzen angeordnet. Darüber liegt Ebene 4 (+19,00 Meter) mit FIFA-Räumen, VIP-Restaurant und Präsidentenloge. In einer Höhe von 23 m bildet ein Flachdach mit Brüstung den oberen Abschluss.

Fußballstadien haben in erster Linie funktionale Aspekte zu erfüllen, so dass sich die Gestaltung auf wenige, aber dafür sehr markante Details beschränkt. Bei der Arena Lviv gilt dies im Bereich der Tribünen für die Verkleidung des oberen Rangs und beim Stadiongebäude für die Bekleidung der Fassaden sowie die Deckenuntersicht im Eingangsbereich.

Der obere Rang ist rundum von einem ungleichmäßig breiten Band umgeben, das aus gelochten Aluminiumplatten besteht und zwischen 6 und 24 m hoch ist. Darauf montierte, schräg, diagonal und senkrecht verlaufende Profile durchbrechen die riesigen Flächen, lockern sie auf und werden bei Dunkelheit durch LED-Beleuchtung besonders betont. Im Süden und Osten ist das Band weit hinunter gezogen und dient gleichzeitig als Sonnenschutz. Zum Norden und Westen hin wird es ganz schmal, damit sich in der Nordwest-Ecke der Haupteingang hervorschieben kann.

Das Stadiongebäude, das genauso wie die Tribünen aus Stahlbeton errichtet ist, hat eine Bekleidung aus Titanzink der RHEINZINK GmbH & Co. KG, Datteln, erhalten. Die Beteiligten entschieden sich für diesen Baustoff, weil er die Dynamik der Arena unterstreicht und die großen Flächen des über 20 m hohen Stadiongebäudes interessant und kraftvoll gestaltet. Weitere Aspekte waren die gute farbliche Anpassung an die natürliche Umgebung, die materialspezifische Oberfläche, die Verarbeitbarkeit vor Ort und die Tatsache, dass die schützende Patina bei möglichen Beschädigungen von selbst wieder entsteht.

Titanzink bildet durch natürliche Bewitterung eine Zinkkarbonatschicht, die die Oberfläche zuverlässig vor Korrosion schützt und sich auch im Falle einer Beschädigung sofort wieder neu bildet. Die Entwicklung dieser Schutzschicht ist ein natürlicher Prozess, der langsam und ungleichmäßig abläuft und unter anderem von Regenhäufigkeit und Himmelsrichtung abhängt. RHEINZINK hat ein spezielles Beizverfahren entwickelt, das dem Werkstoff bereits werksmäßig den Farbton verleiht, der durch die natürliche Bewitterung ohnehin entsteht. Die Eigenschaft des Materials, die lebenslang schützende Patina zu bilden, bleibt dabei vollständig erhalten. Erhältlich ist RHEINZINK-Titanzink in den beiden Oberflächenqualitäten "vorbewittertpro blaugrau" und "vorbewittertpro schiefergrau", die beide beim Stadiongebäude in Lviv zum Einsatz kamen. Vorbewittertpro schiefergrau in den Ebenen 0 und 1, vorbewittertpro blaugrau in den Ebenen 3 und 4 sowie als Bekleidung für die Flachdachbrüstung.

Weil die Wirtschaftlichkeit eine große Rolle spielte und möglichst kein Verschnitt anfallen sollte, haben Verarbeiter und Händler vor Ort die Flächen ausgemessen, anhand des Verlegeplans die Anzahl der Scharen bestimmt und ihre Abmessungen exakt vor der Bestellung ausgerechnet. Darauf basierend wurden die Zinkschare in den Längen 2,00 m sowie zwischen 2.170 mm und 3.000 mm nach Lviv geliefert und vor Ort gekantet.

An den senkrechten Fassaden wurden die 0,8 mm starken Schare in Winkelstehfalztechnik und in einem Winkel von 68° verlegt. Die Montage erfolgte mit L-Profilen aus verzinktem Stahl auf Trapezblechprofilen mit 2 cm Hinterlüftung und Wärmedämmung. Besonderen Reiz haben die Zinkflächen durch die Querrinnen erhalten, die im rechten Winkel zu den Scharen verlaufen. Sie gliedern die Flächen, betonen die Schräge und verleihen der Arena Lviv im Kontext mit den Aluminiumplatten zusätzliche Spannung.

Eine schlichte und gleichzeitig sehr ausdrucksvolle Gestaltung hat der Eingangsbereich erhalten. Dort, wo die Zuschauer die Rampe verlassen und die Arena betreten, reckt sich das Stadiongebäude nach oben. Die Untersicht der schräg verlaufenden Decke wurde mit Titanzink von RHEINZINK bekleidet, nicht schräg wie an den Fassaden, sondern gerade mit dem Zuschauerstrom fließend. Auch hier erfolgte die Verlegung im Winkelstehfalzprofil und die Befestigung auf Trapezblechprofilen.

Rund 48 Tonnen Titanzink wurden für die Bekleidung des Stadiongebäudes geliefert, auf der Baustelle gefalzt und montiert: für den Eingangsbereich, für die Bekleidung der Nord-, Süd- und Westfassade sowie für die Attika über den VIP-Bereichen und der Präsidentenloge. Fassadengestaltung und Farbkombination reduzieren auf angenehme Weise die Dimensionen des Gebäudes und unterstreichen wirkungsvoll die Dynamik einer Fußballarena.

Bautafel

Händler: Kvartal MV, Lviv
Verarbeiter: SKS Nobilis, Lviv
Generalunternehmer: Altkom, Kyjiv
Entwurf: Albert Wimmer ZT GmbH, Wien
Baugenehmigungsplanung: Arnika Architekten, Lviv
Ausführungsplanung: Ukrdesigngroup, Lviv

Weiterführende Informationen anfragen

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Referenzen

Lwíw, Lwiw (Oblast), Ukraine (2011)

Bauwerkskategorien

  • Über diese
    Datenseite
  • Product-ID
    7129
  • Erstellt am
    06.05.2014
  • Geändert am
    31.01.2016