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Flüssigabdichtungen und Flachdachdetails

Das Flachdach mit seiner geometrischen Form und - ganz wesentlich - der Möglichkeit der freien Grundrissgestaltung galt im 20. Jahrhundert als Ausdruck architektonischen Fortschritts. Seine Zweckmäßigkeit mit vielfältigen Vorteilen (wirtschaftlich - nutzbar - gestaltungsfähig) und geänderte Nutzungsanforderungen haben dazu geführt, dass sich das Flachdach vor allem im Industriebau als kostengünstige Lösung durchgesetzt hat, multifunktional genutzt als Fläche für Aufbauten jedweder Art wie Klimaanlagen und neue Gebäudeteile.

Auf dem flachen Dach gibt es eine Vielzahl von Formen und Detailpunkten, die sich mit konventionellen Mitteln nur mit großem Aufwand oder ungenügend abdichten lassen. Funktionalität und Lebensdauer eines Flachdaches jedoch hängen ganz wesentlich von der Qualität der Detailabdichtung ab. Diese klassischen Schwachstellen lassen sich mit einer Flüssigabdichtung – einer Abdichtung auf Basis von Reaktionsharzen – schnell und sicher in den Griff bekommen. Vorteile und Verarbeitung werden nachfolgend allgemein am Beispiel von Kemperol beschrieben.

Die Kunst des sicheren Details

Der große Vorteil einer Flüssigabdichtung ist – wie der Name schon sagt - die Verarbeitung im Aggregatzustand "flüssig". So passt sich das Material allen baulichen Gegebenheiten und Untergrundgeometrien an. Diese Stärke zeigt sich besonders im Detail, dort, wo komplizierte Formen, ein geringer Abstand zwischen den Durchdringungen oder eine Vielzahl von Aufbauten und Durchdringungen auf engstem Raum ins Spiel kommen. Flüssigkunststoffe sind in der Lage, komplizierte Details mit niedrigen Aufbauhöhen, Anschlüsse, Durchdringungen und verwinkelte Untergrundgeometrien naht- und fugenlos abzudichten. Zu den klassischen Schwachstellen gehören u. a. Antennen, Attiken, Aufbauten, Blitzableiter, Bolzen, Dachränder, Doppel-T-Träger, Dunstrohre, Fugen, Gully, innen liegende Dachrinnen, Kranbahnen, Lichtkuppeln, Lüftungselemente, Securanten, Sockel, Schornsteine, Traufblech, Türschwellen und Wandanschlüsse. Durch den vollflächigen Haftverbund zum Untergrund – ohne zusätzliche Befestigung – können Anschlüsse jeder Art ohne Formteile hergestellt werden. Auf eine zusätzliche mechanische Befestigung am oberen Rand kann verzichtet werden. Es besteht eine sehr gute Verträglichkeit auf nahezu allen Untergründen.
Bevor eine Flüssigabdichtung fachgerecht verarbeitet werden kann, ist eine sorgfältige Untergrundvorbereitung vorzunehmen. Eben, tragfähig, trocken und frei von haftmindernden Stoffen sinddie Anforderungen, die ohne Ausnahme erfüllt werden müssen. Die Restfeuchte im Beton in den oberen 2 cm muss unter 5 % liegen. Als Haftbrücke kommt im Detail- und Anschlussbereich immer eine Grundierung zur Ausführung, die gemäß der Grundierungstabelle des Herstellers erfolgt.

Fach- und sachgerechte Ausführung

Bei der Verarbeitung ist unbedingt der Taupunkt zu beachten. Aus Sicherheitsgründen sollte bei der Ausführung von Abdichtungsarbeiten die Oberflächentemperatur an der zu bearbeitenden Oberfläche 3 K über dem Taupunkt liegen. Wird diese unterschritten, kann sich auf der zu bearbeitenden Oberfläche ein trennend wirkender Feuchtigkeitsfilm bilden (DIN 4108-5, Tab.1). Dann ist keine kraftschlüssige Verbindung zum Untergrund gewährleistet. Die Topfzeit (= Verarbeitungszeit) ist begrenzt und hängt stark von der Außentemperatur ab.
Die Reaktionsharze härten nach dem Abbinden zu einer homogenen, fugenlosen Abdichtung aus. Während einkomponentige Materialien direkt aus dem Gebinde verarbeitet werden, werden mehrkomponentige Werkstoffe immer erst vor Ort auf der Baustelle vermischt und so die chemische Reaktion in Gang gesetzt.
Das Aufbringen der Abdichtung erfolgt in drei Arbeitsgängen, die ohne zeitliche Verzögerung aufeinander folgen. Durchgehende Aufkantungen wie Falze auf Metalldächern oder Wandanschlüsse werden abgedichtet wie Flächen. Die erste Lage – ca. 2/3 der Menge - wird vorgelegt und gleichmäßig mit der Perlonrolle verteilt. Das vorgeschnittene Armierungsvlies wird faltenfrei eingelegt und blasenfrei eingebettet. Anschließend wird mit einer zweiten Lage – ca. 1/3 der Menge - nass in nass bis zur Sättigung und ohne Überschuss zu produzieren nachgearbeitet.

Verstärkung ist Pflicht

Flüssigabdichtungen müssen immer nach den Vorgaben des Herstellers und unter Berücksichtigung geltender Vorschriften verarbeitet werden. Auf Flachdächern ist zudem die "Fachregel für Dächer mit Abdichtungen" maßgebend. Danach gelten Flüssigabdichtungen als einlagige Abdichtung, die mindestens zweischichtig mit Armierung (4.6.3.1(4)) ausgeführt werden soll. Der Vliesarmierung fällt dabei eine mehrfache Aufgabe zu. Sie erhöht die Reißkraft, begrenzt die Dehnung, gewährleistet die Rissüberbrückung und reguliert die Schichtdicke.

Bei Flachdachabdichtungen mit Flüssigkunststoffen sind geltende Vorschriften zu beachten:

  • Richtlinien des Herstellers der Abdichtung
  • Fachregeln für Dächer mit Abdichtungen
  • Bauregelliste B1 Nr. 3.4
  • DIN 18338 Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten
  • DIN 4102 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen
  • DIN EN 13501 Brandverhalten
  • ETAG 005 (EOTA Guideline)
  • Liste der technischen Baubestimmungen 1.2.

Kemperol-Flüssigabdichtungen, die die höchsten Anforderungen der ETAG 005 erfüllen, sind UV-beständig und witterungsunabhängig. Auf die Abdichtung wirken Temperaturen von –30°C bis +90°C. Im Sommer kommt es nach Regengüssen zu einer Spontankühlung von +50°C auf +15°C. Kemperol enthält keine Weichmacher, altert und versprödet nicht und behält seine Funktionsfähigkeit ohne Einbuße.
Selbst das beste Material ist nur so gut, wie seine Verarbeitung. Die sach- und fachgerechte Verarbeitung der bauchemischen Produkte verlangt Kenntnisse und Erfahrungen, die nur geschulte Fachbetriebe nachweisen können. Mischfehler beispielsweise können dazu führen, dass das Material nicht aushärtet. Auch die Witterungsverhältnisse haben einen wesentlichen Einfluss auf die Verarbeitung.

Leicht kombinierbar

Kemperol ist mit anderen Werkstoffen problemlos kombinierbar. Bei der Abdichtung von Detailpunkten werden Flüssigabdichtungen nicht selten mit Bitumenbahnen oder Folien kombiniert, um die funktionsgerechte Ausführungen der Anschlüsse und Durchdringungen zu gewährleisten. Die dauerelastische Flüssigabdichtung nimmt Bauwerksbewegungen auf und ist rissüberbrückend bis 2 mm. Auf dem Dach treffen verschiedene Materialien mit unterschiedlichen Wärmeausdehnungskoeffizienten zusammen. Aufgrund seiner hohen Plastizität nimmt Kemperol durch Temperaturschwankungen bedingte Materialbewegungen auf und eignet sich auch in Einsatzbereichen mit abweichenden Ausdehnungskoeffizienten, beispielsweise wenn Kupfer, Zink, Ziegelmauerwerk, Holz oder Kunststoffmaterialien in die Fläche eingebunden werden müssen.

Kostengünstige Lösung

Die Entscheidung, welche Abdichtungsvariante überhaupt zum Einsatz kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • den kalkulierten Investitionskosten
  • der geplanten Nutzungsdauer
  • der Lebensdauer der Abdichtung und den daran gekoppelten Sanierungsintervallen
  • den Folgekosten inklusive Produktionsausfall.

Bei einer differenzierten Beurteilung am Objekt kann sich die Wahl einer Flüssigabdichtung durchaus als wirtschaftlichste und kostengünstigste Lösung erweisen, denn je komplizierter die Dachgeometrien sind, desto höher sind die Arbeitskosten für die zeitaufwendigen Detailarbeiten zu kalkulieren und desto kostengünstiger wird die flüssige Abdichtungsvariante.
Flüssigabdichtungen besitzen Material- und Verarbeitungsvorteile, die sich besonders gut für die Detailabdichtungen auf dem Flachdach nutzen lassen. Sie sind langzeitsichere Problemlöser, manchmal wahre Abdichtungskünstler. Allerdings will die Kunst des flüssigen Abdichtens gelernt sein.

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  • Über diese
    Datenseite
  • Product-ID
    4039
  • Erstellt am
    30.04.2012
  • Geändert am
    01.03.2016