• DE
  • EN
  • FR
  • Internationale Datenbank und Galerie für Ingenieurbauwerke

Anzeige

Teilen

Folgen

Spenden

Gründächer richtig planen

Richtig geplante und fachgerecht gebaute Gründächer können erwiesenermaßen eine Lebensdauer erreichen, die der des gesamten Gebäudes nahe kommt. Verbunden mit den ökologischen und städtebaulichen Funktionen begrünter Dächer, ist dies schon Grund genug, möglichst alle dafür geeigneten Dachflächen mit einer Begrünung zu versehen.

Die Voraussetzungen dafür, dass ein Dach für eine Begrünung geeignet ist, müssen jedoch schon im Zuge der Planung geschaffen werden. Fehlen diese, kann sich eine Begrünung auch kontraproduktiv auswirken, denn z. B. einen Fehler unter einer Dachbegrünung zu orten und zu beheben, ist deutlich aufwändiger als bei einem nackten Dach. Im Grunde ist es eine überschaubare Anzahl von Faktoren, die bei der Planung von Gründächern zu beachten ist.

Bautechnische Voraussetzungen schaffen

Zum ersten bringt ein Gründachaufbau zunächst einmal eine gewisse Bauhöhe und damit verbunden ein entsprechendes Eigengewicht mit sich, was bei der statischen Bemessung der Decke und der Festlegung der Anschlusshöhen zu berücksichtigen ist. Auch die Dachneigung sollte nicht zu groß gewählt werden, um den Aufwand für Schubsicherungsmaßnahmen überschaubar zu halten und auch ein Begehen der Flächen zu ermöglichen. Zum zweiten benötigt ein zu begrünendes Dach eine Abdichtung, die den mechanischen Belastungen, die während der Begrünungsarbeiten auftreten, gewachsen ist. Die Dachabdichtung sollte darüber hinaus wurzelfest sein – das beste Kriterium hierfür ist der Nachweis einer bestandenen Wurzelschutzprüfung nach dem FLL-Verfahren – und sie sollte so verlegt werden, dass es möglichst nicht zu einer Wasserunterläufigkeit kommen kann. Bei der Wahl der Dampfsperre sollte auf einen hohen Sperrwert geachtet werden – sogenannte "Klimamembranen", wie sie gerne bei Holzbauten eingesetzt werden, funktionieren unter Begrünungen nämlich nicht. Bei derAuswahl des Wärmedämmstoffes muss zudem auf eine der vorgesehenen Nutzung entsprechende Druckfestigkeit geachtet werden.

Wartung und Pflege bedenken

Zum dritten sind natürlich auch einige ganz praktische Dinge zu berücksichtigen. Auch Gründächer, die nicht als Garten genutzt werden, sondern eher ökologische Funktionen zu erfüllen haben, sollten ohne größeren Aufwand für Pflege- und Wartungsarbeiten zugänglich sein. Für solch kurzfristige Pflegearbeiten müssen bei Dächern mit mehr als 3 m Absturzhöhe zumindest Anschlagmöglichkeiten für persönliche Schutzausrüstungen vorgesehen werden, ansonsten werden Geländer oder ausreichend hohe Attiken benötigt. Auch ein Wasseranschluss mit genügend Druck sollte in der Nähe der Dachfläche eingeplantwerden. Nicht zuletzt sollte natürlich die vorgesehene Dachbegrünung genau mit dem Bauherrn bzw. späteren Nutzer abgestimmt werden, denn die schönste Begrünung nützt nichts, wenn sie später nicht die notwendige Pflege erhält. In Fällen, wo eine regelmäßige, fachgerechte Pflege nicht gewährleistet werden kann, ist weniger oft mehr. Hier ist eine extensive Dachbegrünung mit ausdauernden, robusten Pflanzen, die in unseren Breiten in der Regel auch ohne Zusatzbewässerung auskommen, sinnvoller als eine aufwändige Intensivbegrünung. Zu Letzterem zählt im Übrigen auch ein Rasen, denn auch auf einem Dach muss dieser regelmäßig gemäht werden.

Statische Auflast genau berechnen

Was das Thema Statik anbelangt, gibt es natürlich eine riesige Bandbreite. Extensive Dachbegrünungen können bereits mit einem Gewicht realisiert werden, das unter dem eines Kiesbelages mit 5 cm Dicke liegt. Nach oben gibt es kaum eine Grenze; eine Tiefgaragen-Überdeckung mit ca. 1 m Substrathöhe bringt es z. B. auf ein Eigengewicht von ca. 1,5 t/m². Kenngrößen für die Lastannahmen der bei Dachbegrünungen eingesetzten Materialien und Produkte sind im Anhang der FLL-Dachbegrünungsrichtlinie aufgeführt.

Bei lose verlegten Dachabdichtungen oder auch bei Umkehrdächern muss darauf geachtet werden, dass das Eigengewicht der Dachbegrünung ausreichend ist, um ein Abheben der Dichtungsmembran oder der Wärmedämmplatten aus extrudiertem Polystyrol infolge Windsog zu verhindern. Maßgebend für letzteren Fall ist das Eigengewicht des Aufbaus im trockenen Zustand, während für die statische Bemessung der wassergesättigte Zustand ausschlaggebend ist. Wassergesättigt heißt, dass das Substrat Feuchtigkeit gegen die Schwerkraft hält und die Wasserspeichermulden der Dränelemente gefüllt sind, dass aber Überschusswasser über die Dränschicht den Entwässerungseinrichtungen zugeführt und über diese vom Dach abgeleitet wird. Etwaiges Anstauwasser auf der Dachabdichtung muss statisch gesondert berücksichtigt werden.

Entwässerung sicherstellen

Wichtig bei Dachbegrünungen ist, dass diese Entwässerungseinrichtungen, seien es innen liegende Dachgullys oder seitlich angeordnete Wasserspeier, kontrolliert und notfalls von Einwüchsen befreit werden können. Hierzu sind Kontrollschächte erforderlich, die es in unterschiedlichen Bauhöhen gibt. Damit das Wasser bis zu diesen Entwässerungspunkten oder auch bis zu einer Entwässerungsrinne gelangt, sind Dränschichten erforderlich, deren Dimensionierung u. a. abhängig ist vom Dachgefälle, von der Entwässerungslänge, von der zu erwartenden Auflast und natürlich auch davon, wie viel Wasser von der darüber liegenden Substratschicht überhaupt nach unten durchgelassen wird. Bei Dächern mit Pfützenbildung kommt es überdies darauf an, dass die Dränschicht so hoch ist, dass die Substratschicht an keiner Stelle mit dem stehenden Wasser in Berührung kommt. Dies würde sich nämlich sehr schnell im Bewuchs abzeichnen bzw. sogar zu Pflanzenausfällen führen.

Dachabdichtung schützen

Bei der Dachbegrünung treffen im Regelfall zwei Gewerke aufeinander: Dachabdichtungsarbeiten, die vom Dachdecker und Begrünungsarbeiten, die meist von einemLandschaftsgärtner ausgeführt werden. Da zwischen der Abnahme der Dachabdichtung und dem Beginn der Begrünungsarbeiten oftmals ein beträchtlicher Zeitraum liegt, kommt es darauf an, das fertige Gewerk Dachabdichtung bis zum Beginn der Begrünungsarbeiten zu schützen und davor die Abdichtung nochmals sorgfältig zu prüfen. Erst wenn sich hier alles als einwandfrei herausgestellt hat, sollte mit den Begrünungsarbeiten begonnen werden. Dann spricht nichts dagegen, dass das Gründach sämtliche Erwartungen erfüllt und unter fachgerechter Pflege und Wartung eine sehr lange Lebensdauer erreicht.

Dipl.-Ing.(FH) Bauphysik Roland Appl, Technischer Leiter ZinCo GmbH, Unterensingen

Literatur

  1. Regeln für Dächer mit Abdichtungen – Flachdachrichtlinie, Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks, Köln 2008.
  2. Regeln für die Planung, Ausführung und Pflege von Dachbegrünungen – Dachbegrünungsrichtlinie, Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL), Bonn 2008.
  3. DDV-Leitfaden Dachbegrünung "Sicherer Gewerkeübergang", Deutscher Dachgärtner Verband e.V., Nürtingen 2008.

Weiterführende Informationen anfragen

Felder mit einem * müssen ausgefüllt werden, um die Anfrage abschicken zu können.

Anzeige

Services
Angeboten von

Relevante Webseiten

  • Über diese
    Datenseite
  • Product-ID
    4336
  • Erstellt am
    30.04.2012
  • Geändert am
    05.05.2015