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Hochwasser-Aktionsplan Diemel - eine Handlungsempfehlung zum Hochwasserschutz

Auf Initiative der Landesregierung Nordrhein-Westfalens stellen die Staatlichen Umweltämter Hochwasseraktionspläne für die Fließgewässer des Landes auf, von denen eine gravierende Hochwassergefahr ausgeht. Mit dem Hochwasseraktionsplan für die Diemel hat das StUA Bielefeld in Zusammenarbeit mit der Hessischen Wasserwirtschaftsverwaltung beim Regierungspräsidium in Kassel erstmals länderübergreifend eine Handlungsempfehlung für den Hochwasserschutz für die Gewässeranlieger erarbeiten lassen.

Im Rahmen der Erarbeitung des Hochwasseraktionsplans (HWAP) wurden ausgehend von einer Analyse des Ist-Zustandes für eine Flusslänge von 91 km von der Diemel-Talsperre bis zur Mündung der Diemel in die Weser bei Bad Karlshafen die Hochwassergefährdung durch die Diemel aufgezeigt und der potentielle Schaden bewertet. In dem untersuchten Diemel-Abschnitt verläuft das Gewässer auf 37 km Länge durch das Bundesland Hessen und auf 40 km Länge durch das Bundesland Nordrhein-Westfalen. Auf insgesamt 14 km Fließstrecke verläuft die Landesgrenze in Flussmitte der Diemel. Die Untersuchungen wurden in Kooperation von drei Ingenieurbüros - der Ingenieurgesellschaft Hydrotec und der Ingenieurgesellschaft für Wasser- und Umwelttechnik ProAqua aus Aachen sowie der HGN Hydrogeologie GmbH, Ingenieurgesellschaft für Wasser, Boden, Umwelt aus Nordhausen - durchgeführt.

Die hydrologischen Untersuchungen, die durch die Firma Hydrotec ausgeführt wurden, bestanden in der Ermittlung der Abflussmengen für Hochwasserereignisse mit unterschiedlichen Wiederkehrswahrscheinlichkeiten von statistisch einmal in 2 bis einmal in 200 Jahren. Maßgebliche Parameter für die Abflussbildung sind die Niederschlagsdauer und –Intensität sowie die Bodenarten und Nutzungsverhältnisse im Einzugsgebiet der Diemel. Mit Hilfe eines Niederschlag-Abfluss-Modells konnte der Abflussbildungsprozess simuliert werden. Ergebnisse dieser Berechnungen waren Abflussbänder für die Diemel von der Quelle bis zur Mündung für Hochwasserereignisse unterschiedlicher Jährlichkeiten.

Der sich hier anschließende Komplex der hydraulischen Berechnungen, der durch die HGN Hydrogeologie GmbH ausgeführt wurde, hatte die Aufgabe, diese Abflüsse in Wasserspiegelhöhen zu überführen. Hierzu wurden die Abflussmengen mit den spezifischen Eigenschaften des Gewässers und seiner Vorlandbereiche, wie der geometrischen Kennwerte, der Fließwiderstände der Gerinnesohle sowie der unterschiedlichen Nutzungsarten des sich an die Uferbereiche anschließenden Geländes, in ein hydraulisches Modell abstrahiert. Mittels eines geeigneten Rechenprogramms wurden daraus die Wasserspiegellagen für den gegenwärtigen Zustand für verschiedene Jährlichkeiten von einmal in 2 bis einmal in 200 Jahren berechnet. Diese Wasserspiegelhöhen wurden dann mit dem digitalen Geländehöhenmodell (kurz genannt DGM) zum Verschnitt gebracht, wodurch sich mit der Schnittlinie die Grenzen der Überflutungsgebiete ergaben.

Es hat sich gezeigt, dass bei dem statistisch einmal in 100 Jahren auftretenden Hochwasser im Diemeleinzugsgebiet Abflussmengen auftreten, die Wasserspiegelhöhen entwickeln, die über den gesamten untersuchten Diemelabschnitt von der Talsperre bis zur Mündung höher als die Uferkanten des Gewässers sind und dass damit die hydraulische Leistungsfähigkeit des Gerinnes weit überschritten wird. Aufgrund des Sohlgefälles und der Talstruktur kommt es hauptsächlich im Mittel- und Unterlauf der Diemel zu großflächigen Überschwemmungen beiderseits des Gewässerlaufes.

Dabei sind die bebauten Gebiete in den Städten Marsberg, Diemelstadt und Warburg durch Deiche ausreichend geschützt. Bebaute Gebiete in den Ortsteilen der Städte Liebenau und Trendelburg sind bereits bei Ereignissen mit geringen Jährlichkeiten von einmal in 10 bis einmal in 20 Jahren hochwassergefährdet bzw. von Überflutungen betroffen. Diese Tendenz beginnt schon im Oberlauf. In den hier vorwiegend engeren Tälern sind die Überflutungen landwirtschaftlicher Flächen meist gering. Mit abnehmendem Gefälle des Gewässers im Unterlauf nehmen die Überschwemmungen landwirtschaftlicher Flächen zu. Sie breiten sich am weitesten zwischen Eberschütz und Trendelburg aus.

Ausgehend von diesen Ergebnissen wurden Maßnahmevorschläge zur Verbesserung des Hochwasserschutzes in den am stärksten betroffenen Brennpunkten erarbeitet. Diese reichen vom Neubau von Deichen und Schutzmauern bis zur Unterhaltung vorhandener Schutzeinrichtungen. Für vom Hochwasser betroffene Einzelbebauungen kommt nur Objektschutz in Frage, der in Form von mobilen Hochwasserschutzwänden, Sandsäcken, Mauern oder in der Sicherung wertvoller Güter aus der Gefahrenzone bestehen kann.

Flussausbaumaßnahmen, die bauliche Veränderungen des Gerinnes der Diemel beinhalten, können nur bei kleineren Hochwässern zu einer Verminderung der Überflutungen beitragen, auf größere Ereignisse haben sie keine Wirkung, da das Flussbett der Diemel im gesamten untersuchten Abschnitt für die Abführung größerer Wassermengen zu klein ist. Der dritte Aufgabenkomplex, der durch die Fa. ProAqua ausgeführt wurde, bestand in der Defizitanalyse, in der für die einzelnen Brennpunkte Schadenserwartungswerte ermittelt wurden, die die durchschnittliche jährliche Schadensbelastung kennzeichnen, die durch Hochwasser entstehen kann. Dabei hat sich gezeigt, dass in den Ortsteilen der Stadt Trendelburg die größten Schadenserwartungswerte zu verzeichnen sind.

Daran schloss sich eine Schadenspotenzialanalyse an, aus der für die verschiedenen Jährlichkeiten die Anteile der monetären Schäden für private und unterschiedliche Gewerbebebauungen sowie für Land- und Forstwirtschaft zusammengestellt wurden. Als Ergebnis einer im Anschluss durchgeführten Wirkungsanalyse, bei der das Kosten-Nutzen-Verhältnis für die Umsetzung der vorgeschlagenen Hochwasserschutzmaßnahmen analysiert wurde, zeigte sich der jährliche Nutzen der vorgeschlagenen Maßnahmen bezüglich ihrer Wirkung auf eine Schadensminderung.

Neben den Empfehlungen zur Umsetzung möglicher Hochwasserschutzmaßnahmen zur Minimierung der Schadensrisiken als einen ökonomisch vertretbaren Hochwasserschutz dient der Hochwasseraktionsplan Diemel auch dafür, den Anrainerkommunen und Wasserverbänden sowie der in den Gefahrenbereichen lebenden Bevölkerung das Hochwasserbewusstsein zu stärken. Da sich die Hochwasseraktionspläne als Instrument zum vorbeugenden Hochwasserschutz bewährt haben, stellt die HGN Hydrogeologie GmbH z. Z. weitere HWAP für die Gewässer Schwarzbach in Hessen und die Weiße Elster in Thüringen auf.

Dipl.-Ing. Klaus-Volker Gutschmidt

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  • Erstellt am
    21.06.2013
  • Geändert am
    31.10.2014