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Hotel Bellevue in Dresden mit mobiler Hochwasserschutzwand

Großflächige und ergiebige Niederschläge nie gekannten Ausmaßes überzogen im August 2002 den gesamten Erzgebirgsraum. Viele kleine Bäche schwollen zu reißenden Strömen heran. Das Aufnahmevermögen der vorhandenen Abflussräume war bald erschöpft. Weiträumige Überflutungen im ganzen ostsächsischen Raum waren die Folge. In Dresden versanken ganze Stadtteile, auch die Altstadt, in der Elbe. In der Woche vom 12. bis zum 22. August 2002 befanden sich die Landeshauptstadt und ihre Umgebung im Katastrophenzustand. Am 17. August erreichte die Elbe mit einem Pegelstand von 9,40 m einen historischen Höchststand.

Eine möglichst ungehinderte Ausbreitung des Hochwassers in unbebautem Gelände ist eine der effektivsten Varianten des Hochwasserschutzes. In so genannten Retentionsräumen oder Auen verbreitert sich der Wasserspiegel, die Fließgeschwindigkeit verlangsamt sich und der Scheitel der Hochwasserwelle geht zurück. Im Bereich besiedelter Gebiete jedoch sind technische Schutzbauwerke, wie Deiche, Mauern und Hochwasserschutzwände, unvermeidbar.

Auch das direkt am Elbufer im Zentrum von Dresden gelegene Hotel Westin Bellevue wurde beim Hochwasser stark beschädigt. Der Pegel der Elbe reichte bis zum Erdgeschoss. Die Keller-, Heizungs- und Wirtschaftsräume sowie die Lüftungsanlage standen komplett unter Wasser. Auf Grund dieser Erfahrungen wurde für das Hotel ein Hochwasserschutz installiert, der im Wesentlichen aus einer mobilen Hochwasserschutzwand gegen das Elbwasser und einer Hochwasserentlastungsanlage gegen nachströmendes und aufströmendes Grundwasser besteht. Die Länge der Schutzwand beträgt ca. 240 m. Sie wird auf einer Spundwand mit Betonkopfbalken montiert. Die Stauhöhe beträgt 1,80 m, im Bereich der Wegquerung 1,95 m – 2,00 m und an den Enden jeweils 1,20 m. Ziel der Maßnahme ist der Schutz der Hotelanlage vor Überflutung und dem Aufschwimmen einzelner Gebäudeteile bei Hochwasser und gleichzeitigem Hotelbetrieb. Die Baumaßnahme gliederte sich in drei Phasen. Die Arbeiten wurden durch die hoteleigene Gartenanlage und während des laufenden Hotelbetriebes durchgeführt:

Phase 1

Zur Ableitung der Momente aus der Hochwasserschutzwand wurden durch die Bauer Spezialtiefbau GmbH Stahlspundwände von 4,00 m bis 5,50 m Länge bis 30 cm unter die Geländeoberkante gerüttelt. Diese Arbeiten gestalteten sich äußerst schwierig, da unterirdische Einbauten angetroffen wurden. Unplanmäßig musste eine Tiefenenttrümmerung von ca. 1500 m³ vorgenommen werden.

Phase 2

Ein Stahlbetonbalken mit einer Breite von 62 cm und einer Höhe von 55 cm bildet das Bindeglied zwischen Stahlspundwand und Hochwasserschutzwand. Für die Befestigung der Schutzwandstützen wurde der Betonbalken mit Ankerplatten als Aufschraubkonstruktionen versehen. Eine Edelstahlschiene zwischen den Ankerplatten dient als Dichtungselement zwischen Oberkante Kopfbalken und Unterkante Schutzwand.

Ist die mobile Schutzwand abgebaut, sind an der Geländeoberfläche nur die Ankerplatten und ein Schenkel der Edelschienen zu sehen. Stahlbetonbalken und Spundwand befinden sich verdeckt unterhalb der Geländeoberfläche.

Phase 3

Der mobile Hochwasserschutz der Fa. IBS, Thierhaupten, besteht aus einem Stützen-Dammbalkensystem. Es kann auch unter erschwerten Bedingungen ohne den Einsatz von Spezialgeräten und mit minimalem Personaleinsatz aufgebaut und mit steigenden Elbwasserständen bis zu einer Stauhöhe von 2 m sukzessive erhöht werden.

Am 17.4.04 wurde im Rahmen eines Tages der offenen Tür ein Probeaufbau der mobilen Hochwasserschutzwand durchgeführt. Im Beisein des Projektsteuerers Ing. Büro Simon, Dresden, der ausführenden Firmen Bauer Spezialtiefbau, NL Sachsen und IBS, Thierhaupten, und örtlicher Medienvertreter erfolgte die Übergabe an den Bauherrn.

André Seidel

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  • Über diese
    Datenseite
  • Product-ID
    6342
  • Erstellt am
    20.06.2013
  • Geändert am
    31.10.2014
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