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Lediglich 500 m² Schalfläche in 3 Jahren

Dennoch leistete die Schwalbe Baugesellschaft mbH & Co. KG aus Preetz bei Kiel hervorragende Arbeit. Das von Wind, Wetter und Salzkorrosion stark in Mitleidenschaft gezogene Eider-Sperrwerk ist komplett zu sanieren. Die Arbeiten an den acht Korbbögen der Wehrpfeiler waren unter äußerst erschwerten Bedingungen der ständig wechselnden Tide und des unberechenbaren Wetters mit Orkanstürmen über 120 km/h auszuführen.

Bevor der längste Fluss Schleswig-Holsteins, die Eider, nach 188 km rund 15 km südöstlich von St. Peter-Ording als Bundeswasserstraße und Tidefluss in die Nordsee mündet, hat er das Eider-Sperrwerk aus dem Jahre 1973 zu passieren. Dieses größte deutsche Küstenschutzbauwerk dient dem Sturmflutschutz und der Entwässerung des Hinterlandes. An den fünf Durchlässen legen sich jeweils zwei gewaltige stählerne Sieltore mit 40 m Breite und 250 t Gewicht auf die mächtigen Wehrpfeiler auf.

Wind und Wetter trotzen

Neben wechselnden Gezeiten und Schwankungen im Wasserspiegel von bis zu 3,50 m war der "Blanke Hans", die Naturgewalt der Nordsee mit Sturm und Regen, die größte Unwägbarkeit für die Schwalbe-Mannschaft. Eine genaue Terminplanung, wie sie auf üblichen Baustellen unbedingt erforderlich ist, zwang hier zu Improvisationen und stellte eine solche Wasserbaustelle vor täglich neue Herausforderungen.

Ortbeton in Bestform

Die alten Wehrpfeiler sind unter Wasser noch tragfähig. Doch in der Wasserwechselzone setzte aggressives Salzwasser mehr als 40 Jahre lang dem Beton erheblich zu. Hier sind Sanierungen größeren Umfangs erforderlich, und zwar jeweils auf der Binnen- und Seeseite der 6,00 m breiten und 8,30 m hohen Pfeiler. Bevor die Arbeit begann, scannte ein Vermesser die genaue Form des zu sanierenden Pfeilerkopfes und entwickelte daraus eine "Punkte-Wolke" mit entsprechenden Koordinaten. Diese Daten bekamen die Doka-Projektingenieure, um daraus die erforderlichen Detailzeichnungen zur Herstellung der doppelt gekrümmten Schalungselemente zu generieren. Polier Detlef Karaschewski dachte dabei schon weiter: Um später eine genaue Kontrolle der Betonüberdeckung zu haben, setzte er pro m² vier Kopfbolzen bündig in den Beton ein. Nun konnte der nicht mehr tragfähige Beton entfernt werden. Das erledigte ein spezieller Strahlroboter. Mit seinem 8,00 m langen, hydraulisch beweglichen Arm und einem Wasserdruck von bis zu 1.800 bar fräste er den alten Beton bis auf den tragfähigen Grund ab. Das konnten Schichtdicken bis zu 40 cm sein. Die dann freiliegende Bewehrung wurde statisch untersucht und falls erforderlich in Teilbereichen ersetzt und ergänzt. Um die Dauerhaftigkeit zu erhöhen, erhielt die Bewehrung im unteren Bereich einen kathodischen Korrosionsschutz.

Fertigservice, der sich rechnet

Nun kam die von den Schalungsbauern im Doka- Fertigservice exakt gefertigte 3-dimensionale Schalung zum Einsatz. Sie spiegelt die ursprüngliche Form der Pfeiler ganz genau wider. Dabei waren für die bis zu 1,80 m starken Aufdopplungen die tragfähigen Roste der Trägerschalung FF20 genau die richtige Grundlage. Der Doka-Fertigservice der Niederlassung Berlin montierte die komplizierten Elemente. Mehr als 165 unterschiedliche Kranzhölzer waren zu schneiden, mit den Trägerrosten zu verbinden, einer Sparschalung zu versehen und anschließend mit einer – nach ZTV-W ausgeschriebenen – saugenden 6 mm starken Biegesperrholzplatte zu belegen. So entstanden 3-dimensional gekrümmte Elemente, die zusammengefügt einem Korbbogen mit zwei ungleichen Radien entsprechen. Die gesamte Montage erfolgte zu einem zuvor kalkulierten Festpreis. In transportablen Größen lieferte Doka insgesamt 97 m² Schalungselemente per LKW auf die Baustelle. Dazu Bauleiter Mathias Ziegler: "Zu dem Preis hätten wir das auf der Baustelle niemals herstellen können." Mit viel Fingerspitzengefühl brachte ein Seilbagger die Elemente der Doka-Trägerschalung FF20 exakt in Position. Die Schalung stand auf einer von Tauchern auf dem Fundamentvorsprung verankerten Arbeitsplattform, die von oben über einen Treppenturm erreichbar war – ein sicherer Arbeitsplatz direkt über dem Wasser. Die Pfeiler am Eider-Sperrwerk wurden in jeweils vier Betonierabschnitten saniert. Dabei blieb die untere Schalung als Basis stehen.

Schalung aus dem Baukasten

Die Doka-Trägerschalung FF20 ist mietbar und nimmt nach Angabe des Herstellers einen Frischbetondruck von 50 kN/m² auf. Sie wird in Normhöhen von 2,75 m, 3,75 m und 6,50 m angeboten. In Kombination mit 0,50 m und 1,00 m hohen Aufstockelementen lassen sich damit für den Hoch-, Ingenieur- und Wasserbau praxisgerechte Schalungshöhen im Raster von 0,50 m bis 6,50 m bestens realisieren. Ideal für die hier drei Takte von je 2,80 m Höhe, die hier zu schalen waren. Zur Verfügung stehen die Elemente in vier Breiten im metrischen Raster zwischen 0,50 m und 2,00 m, sowie rechtwinklige und bewegliche Innen- und Außenecken. Der Elementverbinder FF20/50 Z garantiert eine absolut zug- und druckfeste sowie schlupffreie Verbindung der Elemente. Im erforderlichen Fall erlaubt sie sogar ein Dichtziehen des Schalungsstoßes. Wahlweise ist die Schalung mit einer 21 mm starken, dreischichtigen, spezialvergüteten FF20-Platte oder als Trägerrost erhältlich.

Die kompletten Sanierungsarbeiten liefen und laufen unter vollem Betrieb des Sperrwerks. Das bedeutet, dass die Sturmfluttore zu jeder Zeit voll funktionsfähig sein müssen. Dabei sind zwischen den zu sanierenden Pfeilerköpfen und den mächtigen Sieltoren nur wenige Zentimeter Platz. Hierfür entwickelten die Doka-Projektingenieure der Niederlassung Hamburg ein Schalungskonzept mit einem minimalen Schalungsaufbau zur Seite hin. Zur sicheren Verankerung der Elemente dienten Klebeanker, die bis zu 50 cm in den tragenden Beton hineinreichen. Zugversuche bis 80 kN bestätigten die Tragfähigkeit. Das Vorausdenken zahlte sich aus: Trotz der im Überhang aufzustellenden Schalung passt die Bewehrung mit 60 mm Überdeckung genau zur Schalungsform. Je Takt bauen die Schwalbe-Fachleute rund 12 m³ Beton der Güte C 30/37 fachgerecht in die Schalung ein. Die mit der Bundesanstalt für Wasserbau abgestimmte spezielle seewassertaugliche Rezeptur wurde sorgsam verdichtet, für ein ansprechendes Betonbild mit ganz geringem Lunkeranteil. Die Ausführung und Maßtreue übertraf die hohen Erwartungen des Wasser- und Schifffartsamtes Tönning.

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    7177
  • Erstellt am
    21.08.2014
  • Geändert am
    31.01.2016