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Mobiler Hochwasserschutz für das Kreiskrankenhaus Bitterfeld-Wolfen

Der Landkreis Bitterfeld in Sachsen-Anhalt führt zur Zeit am Krankenhaus Baumaßnahmen zur Erneuerung, zum Umbau und zur Erweiterung für Bitterfeld und Wolfen durch. Das gesamte Untergeschoß des Neubaubereichs wurde im August 2002 im halbfertigen Zustand durch das verheerende Hochwasser überflutet. Dadurch wurde u.a. die komplette technische Einrichtung zerstört (Schaden: ca. 3-4 Mio. €). Im Rahmen der Schadensbeseitigung nach der Hochwasserkatastrophe erteilte der Landkreis Bitterfeld als Bauherr nach einem Wettbewerb an die Firma IBS aus Thierhaupten im Oktober 2004 den Gesamtauftrag zur Errichtung eines mobilen Hochwasserschutzes.

Damit sollte, auch als standortsichernde Maßnahme, der Ring um die gesamte Anlage geschlossen werden: durch den Schallschutz/Hochwasserdamm auf der Nordseite, eine Betonmauer auf der Sportplatzseite und die neue mobile Einrichtung an den Haupteingangs- und Zufahrtsbereichen der Friedrich-Ludwig-Jahnstraße, fortgeführt bis zum Nord-Damm. Die Gebäudeumbauten im Altbestand dauern noch an, der Straßenausbau ist abgeschlossen. Nachdem der umfassende Schutz durch Tiefenabdichtung mit durchlaufender Spundwand aus Kostengründen nicht zu verwirklichen war, entschied sich der Bauherr für einen kostengünstigen Sondervorschlag der Firma IBS. Nach umfangreichen Recherchen erfolgte die Freigabe zur Durchführung.

Systembeschreibung

Die 480 m lange Konstruktion besteht aus einem Stahlbetonfundament mit Edelstahlankerplatten in der Stützenachse und Rammträgerverstärkung in den Untergrund. Auf diesen Betonbalken wird im Einsatzfall das mobile System für eine Stauhöhe bis zu 1,50 m aufgebaut: 160 Aluminiumstützen im Abstand von 3 m und 1600 dazwischenliegende Aluminiumbalken. Der gegliederte Grenzverlauf ist kein Problem für das IBS-System. An 6 Ecken stehen austauschbare Eckprofile, auch große Bereiche im polygonalen Verlauf der Achse bewältigt das System problemlos. Alle Teile enthalten integrierte, dauerhafte EPDM-Dichtungen. Durch patentierte Verspannschlitten erfolgt die Anpressung der Bodendichtung an die unterschiedlichen Untergründe. Auch Kopfsteinpflaster oder Unebenheiten bis 20 mm werden so ausgeglichen. Das ganze System ist ausgelegt für BWK-Lastfälle; statische Berechnungen samt Prüfungen sind bei IBS obligatorisch. Highlight des Systems: Die Aufbauhöhe ist variabel und kann der Hochwasserwarnung angeglichen werden. Bei Erfordernis ist der Vollaufbau unter Einstau nachrüstbar. Einheitliche, variable und leichte Bauteile ermöglichen den Einsatz von Hilfskräften beim Auf- und Abbau. Mit der neu entwickelten reinen Aluminiumstütze (Gewicht: 34 kg) ist es IBS gelungen, einen optimalen Ausgleich zwischen statischer Leistungsfähigkeit und leichtem Handling zu erreichen (bis zu 1,50 m Einstauhöhe ohne Rückabstützung).

Am symmetrischen Stützenfuß erleichtern eingeschweißte Zentrierbuchsen den Aufbau und verhindern die Auflast auf die formschlüssige Stützenfußdichtung. Die Befestigung der Stützen auf der Ankerplatte erfolgt mit je 4 Zylinderkopfschrauben M 24 mit Innensechskant. Die Dammbalken der Hochwasserschutzwand bestehen aus eigens für IBS entwickelten symmetrischen Aluminiumprofilen mit durchgehender Verzahnung zur Kraftübertragung und Einschubnuten für die Dichtungen bei einer glatten Wandfläche. Verwechslungen sind nicht möglich.

Ausführung

Nach der Vermessung und Beräumung der Achse begannen im April 2004 die Bauarbeiten mit dem Einrammen der Stahlträger im Stützenabstand in einem Spezial-Tiefbau-Verfahren. Als Längsverbindung zwischen den Trägern war der Stahlbetonbalken einzubauen, der gleichzeitig als Auflager für die Bodendichtung des Systems dient. Die Ausführung erfolgte unter folgenden erschwerten Bedingungen: Aufrechterhaltung der Zufahrten für die Rettungsdienste, Notärzte, Besucher, Zubringer der technischen Versorger sowie in Koordination mit allen anderen Tiefbaumaßnahmen; Einbindung in den Bestand (unterirdische Versorgungsleitungen, Kanäle, Gebäude, Bäume, Zäune, Bordsteine, Schächte) und Angleichung an die Beschaffenheit des Bodens (Asphalt, Pflaster, Böschungen).

Während der Ausführung wurde erkennbar, daß die vorgesehene Containereinlagerung auf dem KKH-Gelände aus Platzgründen nicht zu realisieren ist. IBS als Generalunternehmer konzipierte kurzfristig eine kleine Stahlhalle und führte diese parallel zu den anderen Maßnahmen aus. Alle Teile der mobilen HWS-Anlage werden auf dem KKH-Gelände in einer modernen Stahlhalle zentral eingelagert, die in Zusammenarbeit mit den Planern und der Oberbauleitung in Form und Farbe in den Gebäudebestand integriert wurde. Die IBS-Lagertechnik ermöglicht eine sachgemäße Lagerung der Teile - Stützen stehend, Balken liegend, kontaktfrei. Nach jedem Hochwassereinsatz ist eine Reinigung erforderlich. Sonstige Wartungskosten fallen nicht an.

Erfolgreicher Probeaufbau

Am Ende einer solchen Baumaßnahme steht immer der Probeaufbau, der am 26. August 2004 stattfand. Große Anspannungen sind mit diesem Ereignis verbunden: Der Hersteller steht in der Beweispflicht, die volle Funktionsfähigkeit des Gesamtsystems ist nachzuweisen, die Einsatzkräfte koordinieren die Einweisung und den reibungslosen Ablauf, die Endkontrolle erfolgt durch die Oberbauleitung. Bauherrschaft sowie Vertreter des Krankenhauses verfolgen das Geschehen.

Um 7.00 morgens begann der Aufbau mit einer Einsatzbesprechung zur Festlegung des logistischen Ablaufes und Verteilung der Aufgaben. Die Verantwortlichen der Technik-Abteilung des KKH hatten nach Einweisung des Herstellers "Generalstabs-Vorarbeit" geleistet – der Probeaufbau erfolgte reibungslos.

Zwei Klein-LKW und Stapler belieferten die beiden Montageteams termingenau mit dem erforderlichen Material, Techniker und Zivildienstleistende arbeiteten Hand in Hand, so daß um 11.30 Uhr mit 16 Mann im Teilaufbau die letzte Lücke geschlossen wurde. Für Demo-Zwecke entschloß man sich am Hauptzugang zum Vollaufbau.

480 m Hochwasserschutzwand wurden durch eine Abnahme-Kommission geprüft und als mängelfrei bezeichnet. Die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Firma IBS wurde einmal mehr unter Beweis gestellt, als Generalunternehmer stellte sie ein anspruchsvolles und technisches Bauwerk zum Schutz von Menschen und Gebäuden her. Bereits um 15.30 Uhr war alles fachgerecht wieder in der Halle eingelagert.

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  • Über diese
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  • Product-ID
    6348
  • Erstellt am
    21.06.2013
  • Geändert am
    09.10.2014