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Neue Skisprungschanze für Oslo

Das neue Wahrzeichen Oslos ragt mit einer Höhe von 65 Metern auf dem Berg Holmenkollen nahe der Stadt auf. Der Holmenkollen Ski Jump ist seit 120 Jahren Schauplatz zahlreicher Skisprungwettbewerbe. Zwischen 2008 und 2010 wurde die Sprungschanze von Grund auf neu erbaut.

Aus 1.200 t Stahl besteht der neue Holmenkollen Ski Jump, der 2010 eingeweiht wurde und Austragungsort der Nordischen Ski-WM 2011 war. Die Stahlkonstruktion des belgisch-dänischen Architekturbüros JDS Architects folgt dem Verlauf des Anlaufs und der Aufsprungbahn in einer geschwungenen Linie. Am Schanzentisch bildet sie einen Bogen, der sich zum Auslauf hin öffnet. Jeder Stahlknotenpunkt der komplexen, gekrümmten Struktur hat daher eine individuelle Geometrie. Die Fertigung und Montage der einzelnen Stahlträger erlaubte Toleranzen von max. 50 mm, größere Abweichungen hätten den Bauablauf verzögert.

Viele Firmen, wenig Zeit

Da möglichst wenige Wettkämpfe verlegt werden sollten, war der Zeitplan sehr eng. Die alte Schanze wurde nach der Skisaison 2008 abgerissen, bereits Anfang 2010 sollten wieder Wettkämpfe stattfinden. Sowohl der zeitliche Ablauf als auch die Konstruktion selbst mussten also besonders genau geplant werden. Die verantwortlichen Stahlbaufirmen COWI und Lecor Steel Technology AB verwendeten daher die Building Information Modeling (BIM) Software Tekla Structures. Mit dieser Software lassen sich intelligente Gebäudemodelle erstellen. Diese Modelle enthalten neben den 3D-CAD-Konstruktionsdaten auch zusätzliche Informationen, z. B. Details zu einzelnen Bauteilen, dem Baufortschritt und dem realen Zustand des Gebäudes. So sind alle Beteiligten, vom Architekten über die Ingenieure bis zu den einzelnen Gewerken, stets über den aktuellen Stand informiert. "Bei einem komplexen Bauwerk mit einem so engen Zeitrahmen ist Kommunikation alles", erklärt Andreas Almgren, Manager Structural Engineering bei COWI. "Wir haben mehr als 25.000 verschiedene Teile und viele beteiligte Firmen. Ohne das Modell hätten wir das Projekt nicht im vorgegebenen Zeitrahmen realisieren können."

Koordination und Zusammenarbeit auf Basis eines Modells

Besonders die Koordination der Montage profitierte vom Einsatz von Tekla Structures. Die Ingenieure planten im selben Modell auch alle Hilfskonstruktionen, die während der Bauphase benötigt wurden. Da der Holmenkollen Ski Jump an einem Berghang steht und von Bäumen und anderen Gebäuden umgeben ist, stellte die Montage vor Ort eine besondere Herausforderung dar. Der Konstruktionsprozess wurde mit dem BIM-Modell simuliert, und auf Basis dieser Simulation entwickelten die Ingenieure Zeitpläne für die Montage. Die Schanze besteht aus acht Baugruppen, die zeitgleich vormontiert und dann vor Ort zusammengefügt wurden. Durch die Planung des Ablaufs im Modell konnten bereits bei der Fertigung die Befestigungspunkte für die Kranfahrzeuge berücksichtigt werden. Für die Endmontage nutzten die Konstrukteure das 3D-Modell der Sprungschanze, um die Plankoordinaten der Bauteile mit der tatsächlichen Position abzugleichen. "Das BIM-Modell ermöglichte uns die umfassende Überwachung und Kontrolle des gesamten Bauprozesses", erklärt Tennce Carlsson, Manager bei Lecor Steel Technology. Auch die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Projektpartnern gestaltete ich dank der BIM-Software einfach. Im Multi-User-Modus können mehrere Ingenieure zur gleichen Zeit an einem Modell arbeiten. Beim Holmenkollen Ski Jump waren das zu Spitzenzeiten etwa 15 Mitarbeiter. Dabei stellte die komplexe Geometrie des Bauwerks besondere Anforderungen an Ingenieure und Technik. Mit Hilfe des 3D-Modells konnten aber so genaue Baupläne erstellt werden, dass es bei der Montage keine Probleme gab.

Sportler und Touristen sind begeistert

Die neue Schanze sei "ein beeindruckendes Bauwerk", meinte der deutsche Skispringer Michael Uhrmann bei der Nordischen Ski-WM 2011 in Oslo. Der Holmenkollen Ski Jump mit einer Schanzengröße (Hillsize) von 134 m und einem K-Punkt von 120 m erhielt im Jahr 2011 den IOC/IAKS-Award in der Kategorie "Spezielle Sportanlagen". Der einzige internationale Architekturpreis für Sportanlagen wird alle zwei Jahre unter anderem vom Internationalen Olympischen Komitee verliehen. Außerdem gewann die Sprungschanze im selben Jahr den globalen Modellwettbewerb von Tekla in der Kategorie "Stahlbau". Darüber hinaus ist die Schanze nicht nur ein Zentrum des Wintersports, sondern hat sich – Sommers wie Winters – zu Norwegens beliebtester Touristenattraktion entwickelt. Das Skimuseum im Fuß der Schanze erzählt die Geschichte des Skisprungs, die in Norwegen ihren Anfang nahm.

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Referenzen

Oslo, Oslo, Norwegen (2011)

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  • Erstellt am
    30.04.2012
  • Geändert am
    14.01.2015