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Neue Wärmedämmung – neue Flachdachentwässerung

Steigende Energiepreise und die Forderungen der neuen Energieeinsparverordnung (EnEV) haben auf Deutschlands Flachdächern einen wahren Sanierungsboom ausgelöst. Die Nachrüstung einer effektiven Wärmedämmung ist die ideale Gelegenheit, die Flachdachentwässerung und -lüftung gleich mit zu sanieren.

Ziel der Bundesregierung ist es, bis zum Jahr 2020 insgesamt ca. 20 % des jährlichen Energieverbrauchs bei Gebäuden einzusparen. Effektiv gedämmte Flachdächer können Wärmebrücken minimieren und energetische Mängel beheben, also einen entscheidenden Anteil zur Zielerreichung beitragen. Seit 2011 ist es daher vorgeschrieben, begehbare, oberste Geschossdecken mit einer Dämmung zu versehen.

Steht eine energetische Sanierung des Flachdaches an, ist es angeraten, die Entwässerung gleich mit zu sanieren. Lt. DIN 1986-100, 5-2008 heißt es: "Wenn die Dachfläche eines Gebäudes saniert wird, muss das Abflussvermögen der vorhandenen Entwässerungsanlage überprüft werden. Gleichfalls ist zu kontrollieren, ob Notentwässerungen vorhanden, richtig angeordnet und auch ausreichend bemessen sind." Letzteres ist bei vielen älteren Bestandsgebäuden nicht der Fall. Angesichts zunehmender Starkregenereignisse sind viele Flachdach-Entwässerungsanlagen den Niederschlägen nicht mehr gewachsen. Feuchteschäden sind dabei noch das geringste Übel. Im Extremfall kann ein Rückstau auf dem Dach die Statik des ganzen Gebäudes gefährden.

Tonnenschwere Last

Kaum einem ist bewusst, welches Gewicht sich bei einem Starkregen auf einem Flachdach ansammelt. Ein Rechenbeispiel soll dies verdeutlichen. Ein zur Sanierung anstehendes Flachdach mit 4.000 m2 war nach der damals gültigen DIN 1986 für den Standort Rheda-Wiedenbrück regelkonform ausgelegt. Notentwässerungseinrichtungen waren nicht vorhanden. Im Falle eines Jahrhundertregens r(5,100), also einem fünfminütigem Starkregenereignis, der hier mit 604 l/s x ha angegeben ist, würden sich innerhalb von fünf Minuten 72.480 l Wasser ansammeln, also 72,5 t Gewicht. Wenn bei dem besagten Jahrhundertregen das Entwässerungssystem komplett versagt, würde auf diesem Flachdach die Last von ca. 50 Pkw ruhen. Was dies für die Statik des Daches bedeutet, kann man sich leicht ausrechnen. Ein technisch einwandfreies Flachdach mit dem erforderlichen zusätzlichen Notentwässerungssystem kann auch einen Jahrhundertregen sicher auf schadlos überflutbare Flächen ableiten.

Erst prüfen, dann planen

Wird das Altdach abgetragen, offenbaren sich schnell auch die Mängel veralteter Entwässerungssysteme. Ein step-by-step-Vorgehen hilft, systematisch zum normgerechten Ergebnis zu kommen. Ein funktionierendes Flachdach setzt sich aus vielen Elementen zusammen. Daher steht am Beginn jeder Neuplanung eine Bestandsaufnahme der Ist-Situation. Als erstes wird die Dachfläche betrachtet. Verfügt sie über das in der DIN vorgeschriebene Mindestgefälle von 2 %? Wird jeder Tiefpunkt entwässert? Sieht die neue Wärmedämmung eine Gefälledämmung vor, die das Regenwasser gezielt zu den Abläufen führt? Als zweites sind die Bestandsgullys zu prüfen. Ihr Zustand entscheidet, ob sie ausgebessert werden können oder komplett erneuert werden müssen. Ist ein Gully nicht mehr lagesicher, weist er gar eine Schiefstellung auf oder fehlen Zubehörteile, muss der Gully ausgebaut werden. Bei einem funktionstüchtigen Gully können Sanierungsgullys den rückstausicheren Anschluss wieder herstellen.

Nach diesem oberflächlichen Statuscheck gilt es, die Ablaufleistung zu überprüfen. Jeder Gullytyp hat seine eigene Ablaufcharakteristik, die in die Berechnung einfließt. Alle Hersteller von Dachgullys sind verpflichtet, die Ablaufleistung nach DIN EN 1253 zu prüfen und zu dokumentieren. Die Leistungsdaten können beim Hersteller erfragt werden.

Engpass Leitungen

Als letztes müssen die angeschlossenen Leitungen vom Dach bis zum Übergabepunkt an die öffentliche Leitung kontrolliert werden. Korrekt ausgelegte Nennweiten, Gefälle und Befestigungen sind wesentliche Kriterien für eine mängelfreie Funktion. Oft weisen Altanlagen Gegengefälle auf, die zu Problemen führen können, da sich das Wasser im Tiefpunkt des Rohrstranges staut. Bei minimalen Abweichungen können neue Befestigungen und eine Verringerung der Abstände das Fließverhalten optimieren.

Sichtbare und in abgehängten Decken liegende Rohrleitungen können mit wenig Aufwand überprüft werden. Aber auch nicht leicht zugängliche Leitungen, wie z. B. Grundleitungen, müssen einer Kontrolle unterzogen werden. Liegen keine aussagekräftigen Revisionspläne vor, bleibt oft nur die Kamerabefahrung durch eine Fachfirma. Schäden aufgrund zu kleiner Grundleitungen häufen sich. Bei starkem Regen kann es zu einem Rückstau kommen, im Extremfall bis auf die Dachfläche. Die hohe Wassersäule im Fallrohr überlastet die Rohrverbindungen, so dass dort Wasser austreten kann. Rückstauendes Wasser auf dem Dach kann z. B. in Lichtkuppeln eindringen oder, im schlimmsten Fall, die Dachkonstruktion überlasten, so dass es zum Einbruch des Daches kommen kann.

Attikagully als Problemlöser

Ist die Problematik einer zu kleinen Grundleitung bekannt, kann eine effektive Notentwässerungsanlage zur Lastenreduzierung eingesetzt werden. Attikagullys, die frei auf schadlos überflutbare Flächen entwässern, führen Wasser vom Dach, ehe es Grundleitungen und Statik überlasten kann. Sie stellen eine wirtschaftliche Alternative zur aufwändigen und in der Regel gar nicht realisierbaren Erweiterung des Grundleitungsnetzes dar. Über die Anzahl der eingesetzten Notentwässerer und eine präzise Justierung der Anstauhöhen lässt sich mit einem Minimum an Aufwand ein Maximum an Sicherheit erzielen, das auch bezüglich der Regelwerke anerkannt ist.

Sanierung oder kompletter Neuaufbau?

Im günstigen Falle sind die vorhandenen Gullys und Lüfter noch mit speziell für diesen Fall entwickelten Sanierungsbauteilen zu sanieren. Sita-Sanierungsgullys z. B. übertreffen die Mindestablaufleistung nach DIN EN 1253 und können damit auch in grenzwertigen Situationen normgerechte Lösungen bieten. Gerade bei einbetonierten Gullytöpfen helfen sie, den Aufwand in Grenzen zu halten. Können die alten Systembauteile im Dach verbleiben, kommen diese Sanierungsgullys zum Einsatz, die das Dachschichtenpaket bis in die Fallleitung überbrücken. Durch speziell auf Sanierungsbedürfnisse abgestimmte Dichtringe sichern sie eine lückenlose, wasserführende Einheit bis in den alten Dachgully. Mit immer dicker werdenden Dämmpaketen wird der Weg zum sanierenden Gully immer länger. Sita löst diese Aufgabe mit einer neuen, besonders langen Sanierungsgully-Generation, die 550 mm, also einen guten halben Meter, auf dem Weg zum Altgully überbrückt. Um allen Baustellengegebenheiten zu entsprechen, umfasst das Sortiment Sanierungsbauteile für eine rückstausichere Abdichtung von 98 bis 205 mm Rohr- bzw. Topfdurchmesser. Geprüft wurden die Sanierungsprodukte nach RAL-GZ 694 der Gütegemeinschaft GET. Tests mit 2 m Wassersäule statt nur 1m Wassersäule und eine Prüfdauer von 60 Minuten statt nur 15 Minuten geben zusätzliche Sicherheit.

Wenn durch den Einsatz von Sanierungsgullys keine ausreichende Ablaufleistung erzielt werden kann, ist i. d. R. eine Komplettsanierung erforderlich. Dann stellt sich die Frage nach den richtigen Produkten und Entwässerungssystemen. Hier sollten die Planungs-, Berechnungs- und Entscheidungshilfen der Hersteller genutzt werden, zumal sie i. d. R. kostenfrei erbracht werden.

Notentwässerung unverzichtbar

Ob Gullysanierung oder kompletter Neueinbau – ohne Notentwässerung geht es heute nicht mehr. Die aktuellen Regelwerke haben längst auf die veränderten Wetterverhältnisse mit den vermehrten Starkregen reagiert. Daher schreiben die DIN EN 12056-3 und die DIN 1986-100 den Einbau von Notabläufen verbindlich vor. Nach DIN 1986-100 ist jedes Flachdach gegen das "Fünfminutenregenereignis einmal in 100 Jahren" am Gebäudestandort abzusichern. Zwei Werte müssen in die Planung einfließen: der Berechnungsregen r(5,5) und der Jahrhundertregen r(5,100), ein fünfminütiges Extremregenereignis, das statistisch über 1000 l/(s x ha) am Gebäudestandort bringen kann. Das Notablaufsystem muss so geplant werden, dass es mindestens die Differenz zwischen der Jahrhundert- und der Berechnungsregenspende sicher entwässert. Ob das überschüssige Regenwasser über die Fassade oder über zusätzliche Leitungssysteme abgeführt wird, entscheidet sich anhand der konstruktiven Merkmale des einzelnen Gebäudes. Keinesfalls aber darf die Notentwässerung an die Leitungen der Hauptentwässerung angeschlossen werden.

Fazit: Regelwerke geben Sicherheit

Flachdachentwässerung ist heute keine Ermessensfrage mehr, sondern verbindlich geregelt. Nur normgerecht ausgeführte Entwässerungssysteme können Menschen und Werte sicher schützen und Gebäudebesitzern sowie Planern und Ausführenden Rechtssicherheit geben. Flachdachsanierungen sind die ideale Gelegenheit, Altanlagen, die sich quasi im rechtsfreien Raum befinden, auf die heutigen Wetterereignisse und Regelwerke umzurüsten.

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    6200
  • Erstellt am
    08.04.2013
  • Geändert am
    11.12.2014