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Risiko-Management von Naturgefahren in Wintersportgebieten

Naturgefahren wie Lawinen, Steinschlag und Erdrutsche können in Bergregionen sowohl für Winter-, als auch für Sommergäste problematisch werden, wenn diese Gefahren nicht kontrolliert oder gebremst abgeleitet werden können. Eine Sicherung des Terrains ist für die Eigentümer und Betreiber eines Resorts häufig gesetzlich vorgeschrieben und für die Besucher von höchster Priorität. Investitionen in wirksame Sicherungskonzepte sind erforderlich und im Vergleich zu potentiellen Kosten von Folgeschäden ausgesprochen wirtschaftlich.

Lösungen, die vornehmlich dem Schutz der baulichen Infrastruktur (Straßen, Eisenbahnen und Gebäude) vorbehalten waren, finden nun auch zunehmend im Sportbereich der Bergregionen Anwendung. Abhängig von den lokal zu erwartenden Gefahren aus Naturereignissen, bietet Maccaferri jetzt eine reich abgestufte Palette von Lösungen, die das Risiko von Folgeschäden erheblich verringern.

Vier für Naturgefahren anfällige Zonen

Angesichts der fatalen Auswirkungen, beispielsweise bei Positionierung von Steinschlagschutzbarrieren an falscher Stelle, oder der Tatsache, dass gewählte Schutzmaßnahmen bei Fehleinschätzung der Lage nicht in vollem Umfang arbeiten können, wird Resort-Betreibern dringend empfohlen, mit einem erfahrenen Anbieter bei der Auslegung geeigneter Lösungen zusammenzuarbeiten.

Es gibt weltweit zahlreiche technische Produkt-Standards, die eingehalten werden müssen:

  • bei Steinschlagschutzbarrieren (z.B. RMC-Barrieren) die Europäische Prüf- und Genehmigungs-Richtlinie 27 (ETAG0271) und die CE-Kennzeichnung,
  • bei Schnee-Tragkonstruktionen / Schneenetzen eine Zertifizierung entsprechend der lokalen Normen, beispiels-weise durch das Eidgenössische Institut für Schnee- und Lawinenforschung (WSL) in der Schweiz, Davos² und die Zulassung des Bundesamtes für Umwelt (BAFU-FOEN).

Es sind 4 Zonen an Schnee und Felshängen, die anfällig für Naturgefahren sind:

  1. Anriss- oder Initiationszone – an der die Lawine aus der Schneemasse heraus bricht und beginnt, sich zu bewegen, oder bei der sich Felsen aus der Hangoberfläche lösen
  2. Durchgangszone – das Gefahrenereignis ist nun hangabwärts in Bewegung und gewinnt an Dynamik, Energie und potenzieller Masse
  3. Aufprallzone – ein Gefahrenereignis entfaltet seine zerstörerische Kraft auf alles, was sich ihm in den Weg stellt; Gebäude, Ski- bzw. Bergregions-Infrastruktur, Straßen, Eisenbahntrassen und häufig auch Waldgebiete
  4. Auslaufzone – mit oder ohne vorangegangenem Aufprall – das Gefahrenereignis verliert nach und nach an Energie, beeinträchtigt aber auch in dieser Zone große Flächen

Ständig wachsendes Systemportfolio

Für jede der Zonen bietet Maccaferri ein ständig wachsendes, breit gefächertes Portfolio an Systemen, das eine technisch effiziente und kostengünstige Lösung ermöglicht. Maßnahmen zur Minimierung der Risiken von Naturgefahren können, mit Blick auf das sensible Gleichgewicht der Faktoren, die die optimale Lösung für den Standort bestimmen, in jeder dieser Zonen installiert werden. Das Gefahrenpotential, die Topographie, die Geologie, die Zugänglichkeit für Montagearbeiten und die Kosten spielen hierbei eine große Rolle. Schnee-Zäune oder Schnee-Schirme beispielsweise, die hoch in der Loslösungszone installiert werden, erfordern zwar einen höheren technischen Aufwand bei der Montage als herkömmliche Pfosten-Riegel-Zäune, sind dafür visuell aber weit weniger auffällig. Das wirkt sich, insbesondere in den Sommermonaten, positiv auf das natürliche Erscheinungsbild des Urlaubsortes aus. Häufig werden auch Steinschlagschutzbarrieren und Netze in den Loslösungszonen fast senkrechter Felswände eingesetzt, um instabile Strukturen zu sichern und um zu verhindern, dass sich Gesteinsbrocken aus der Hangoberfläche lösen, die beim Verlassen der Zone an Dynamik gewinnen und die Gefahr erheblich vergrößern könnten.

Durch den Einsatz von Windschutz-Systemen in den oberen Berghangregionen kann Schnee-Migration drastisch reduziert werden, da sich die Verwehungen und Anhäufungen von Schnee erheblich verringern. Weiter hangabwärts werden häufig Lawinenverbauungen aufgrund ihrer Vielseitigkeit und der geringen visuellen Auswirkungen auf die Natur eingesetzt. Für die Loslösungs- oder Initiationszone kann der Hersteller die ganze Bandbreite der Vernetzungssysteme von Hochleistungs-Netzen wie Steelgrid® HR und HEA Seilnetzpaneelen über Ringnetze bis hin zu den einfachen aber effektiven Steinschlagschutznetzen anbieten.

Für die Durchgangs- und die Aufprallzonen sind jetzt dynamische Steinschlagschutzbarrieren des Herstellers verfügbar, deren rekordverdächtige Energieaufnahme von 8.500 kJ dem Stoppen eines 20t LKW bei einer Geschwindigkeit von 108km/Std. entspricht. Die Barrieren des Herstellers verfügen über spezielle Kompressionsbremsen und Hochleistungsnetze, die schrittweise die Energie eines Steinschlags ableiten und seinen Aufprall abbremsen. Die Barrieren wurden in Übereinstimmung mit der Leitlinie 27 der Europäischen Organisation für technische Zulassungen (EOTA) getestet. Die ETA Zertifikate für die Barrieren von 500kJ zu 5000kJ (MEL) liegen vor. Die Erteilung des Zertifikates für die 8.500 kJ Barriere, die im Sommer 2012 erfolgreich getestet wurde, steht unmittelbar bevor.

Naturgefahren rechtzeitig stoppen

Die Attenuator-, Hybrid- und Debris Flow DF-Serien der Murgang-Barrieren des Herstellers vervollständigen die Reihe an technischen Maßnahmen, die er für die Durchgangs- und Aufprallzonen anbietet, um die Naturgefahren zu stoppen, bevor sie die Infrastruktur eines Urlaubs-Resorts schädigen können.

Murgänge, wie auch Lawinen verhalten sich wie eine zähe Flüssigkeit und erfordern spezielle dynamische Zäune, die schrittweise die Energie absorbieren, verlangsamen und schließlich deren Fluss stoppen. In der Auslaufzone schließlich ist der Investor nicht auf die 8.500 kJ Energieaufnahme einer Steinschlagschutzbarriere beschränkt; hier kann auch Erdbewehrungs-Technologie angewandt werden, mit deren Hilfe Steinschlagschutzdämme realisiert werden können, deren Energie-Aufnahmekapazität quasi unbegrenzt ist. Bewehrt mit MacGrid ® oder Paragrid ® Bodenbewehrungs-Geogittern oder in der bewährten TERRAMESH® oder DUNA® Bauform mit integrierter Rückverankerung und einer bis zu 70° steilen Oberflächenneigung, können Böschungsprofile und Querschnitte individuell den natürlichen Gegebenheiten und den Platzverhältnissen mit begrünten Fronten ästhetisch angepasst werden. Die Geogitter des Herstellers verstärken erheblich die natürlichen Bodenparameter, realisierte Steinschlagschutzdämme sind in dieser Bauform in der Lage, Aufprallkräften von bis zu 20.000 kJ standzuhalten.

Einfache Installation als wichtiger Faktor

Da bei Montagearbeiten in Bergregionen oft Helikopter eingesetzt werden, ist die einfache Installation einer Lösung ein wichtiger Faktor. Lösungen sollten möglichst leicht und schnell zu installieren sein, um die Kosten für den zeitlichen Aufwand und die teure Ausrüstung vor Ort zu minimieren. Unabhängig von der Art der Schutzmaßnahme, sind Haltbarkeit und Wartungsfreundlichkeit der gewählten Lösung von großer Bedeutung. Eine günstigere Lösung erfordert oftmals erheblich teurere Einbauverfahren oder einen höheren Wartungsaufwand. Bei der Bewertung der projektspezifischen Randbedingungen und deren Einfluss auf das lokale Gefahrenpotential sowie der breit gefächerten Palette der auf dem Markt verfügbaren Lösungen, sollten Resort-Betreiber ein erfahrenes Team von Spezialisten beauftragen, um den Schutz ihres Eigentums und das Wohl Ihrer Gäste in kompetente Hände zu legen. Nur auf diese Weise kann ein effektives Risiko-Management von Naturgefahren in Wintersportgebieten langfristig sicher und kostengünstig gewährleistet werden.

Dr. David Cheer, International Rockfall Mitigation Specialist, Maccaferri UK; Dipl.- Ing. Michael Arndt, Prokurist, Maccaferri Deutschland GmbH

Literatur:

  • (1) ETAG 027 Leitlinie für die europäische technische Zulassung für Steinschlagschutz-Systeme 2008.
  • (2) Margreth, S., 2007: Lawinenverbau in Anrisszonen. Bundesamt für Umwelt, Bern; WSL Eidgenössisches Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, Davos.

  • Über diese
    Datenseite
  • Product-ID
    6319
  • Erstellt am
    06.06.2013
  • Geändert am
    08.12.2014