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Selektiver Abbau von Fluss- und Schwerpat mit einer Baggeranbaufräse

Robuste Terex-Maschinen sind – entsprechend modifiziert – auch für untertägige Einsätze geeignet. Das stellte die Tunnelling-Division (CMT) des Kompaktmaschinenherstellers Terex kürzlich in der Grube Clara der Sachtleben Bergbau GmbH & Co. KG beim Abbau von Fluss- und Schwerspat eindrucksvoll unter Beweis.

Als einziger Hersteller konnte Terex die maschinen- und abbautechnischen Anforderungen der Sachtleben Bergbau GmbH & Co. KG erfüllen – und das gleich in mehrfacher Hinsicht: Der 75 kW-Radbagger TW110 ist das größte mobile Gerät, das in den engen Abbaustrecken der Grube Clara für den selektiven Abbau eingesetzt werden kann (Bild 1). Dabei kommt es entscheidend auf das schnelle Umsetzen der Maschine an, die täglich bis zu 10 km in sehr engen Stollen zu den ständig wechselnden Abbauorten fährt. Mit der in der Grube Clara seit dem Herbst 2010 angewandten mechanischen, selektiven Gewinnungstechnik kann man auch relativ kleine Bereiche mit abbauwürdigen Vererzungen effektiv ausbeuten. In mächtigen Erzgängen und im festen Gebirge wird nach wie vor gebohrt und gesprengt.

Die Erschließung der kleinräumigen Lagerstätten stellt an das Arbeitsgerät höchste Ansprüche. Als ideal erweist sich der TW110-T mit dem speziellen Zwei-Gelenk-Ausleger in Verbindung mit der patentierten Knickmatik. Mit dieser Arbeitseinrichtung und einer 55-kW-Anbaufräse, die an der ultraflachen Rototop-Dreheinheit angekoppelt ist, kann der Bergmann gezielt nur das förderwürdige Material ausbrechen. Er kommt beim Auffahren praktisch in jeden Winkel, ohne dabei die Maschine zu gefährden. Nicht von ungefähr nennt Obersteiger Hans-Jörg Kovac den modifizierten Mobilbagger TW110-T in Kombination mit der Terex-Fräse WS45 "ein gelungenes Gesamtkunstwerk".

Im Herbst 2010 entschied sich die Sachtleben Bergbau GmbH & Co. KG, das selektive Auffahren probeweise mit dem Terex TW85, einem 8,6-t-Standard-Mobilbagger mit Gelenkausleger, aufzunehmen. Das Fräsen ermöglicht die Ausbeutung der kleinräumigen Schwerspat- und Flussspat-Vererzungen bei stärker zersetzten Gangstrukturen. Dabei kann man, anders als beim Sprengen, das Gebirge permanent beobachten (Bild 2).

Ein halbjähriger Probebetrieb mit dem auf der Grube Clara vorhandenen Terex Mobilbagger TW85, der mit einer Terex-Anbaufräse WS30 und Rototop ausgerüstet wurde, erfüllte alle Erwartungen. Terex erhielt deshalb den Auftrag für eine noch produktivere Maschine. In enger Abstimmung mit den Fachleuten der Sachtleben Bergbau GmbH & Co. KG entwickelte und baute das Team der Terex Tunnelling Division (CMT) den TW110-T in nur vier Monaten. In der Planungsphase, während der Fertigung, bei der Einweisung und den Abstimmungsarbeiten vor Ort gab es Informationen aus erster Hand und praktische Unterstützung durch den Maschinenhersteller.

Der größte Terex-Mobilbagger TW110 in der Allradversion bildet die Basis für das neue Gewinnungsgerät. Vom vielfach bewährten Tunnel-Raupenbagger TC125-T stammt der kompakte Zwei-Gelenk-Tunnelausleger, der einen verlängerten Stiel erhielt. Die im Stahlbau komplett verstärkte Maschine hat eine Pratzenabstützung und ein modifiziertes Räumschild mit Stützschildfunktion (Bild 3). Der TW110 hat bereits in der Serienausführung zwei Hydraulikpumpen und unabhängige geschlossene Kreisläufe für Fahren und Arbeiten – ein selten gewordener "Luxus", der in der täglichen Arbeit gravierende Vorteile bietet und die Wirtschaftlichkeit erhöht. Das zeigt gerade der Einsatz in der Grube Clara. Beim schnellen Umsetzen der Maschine kann man zeitgleich fahren, lenken, den Oberwagen schwenken und den Ausleger zum Umfahren der engen Stollenradien nachjustieren. Exzellent ist auch die in den Arbeitskreis integrierte lastdruckunabhängige Durchflussverteilung (LUDV). Sie garantiert zeitgleiche, feinfühlig steuerbare Arbeitsbewegungen. Zusätzlich sichert ein Prioritätsdruckwaagenventil im Hydrauliksystem der leistungsstarken Gewinnungsfräse stets einen Vorrang.

Der extrem robuste Zwei-Gelenk-Tunnelausleger mit Doppelstielzylindern und die seit Jahrzehnten bewährte, wartungsfreie Knickmatik garantieren ein äußerst präzises Arbeiten. Der Löffelzylinder ist mit einem Kolbenstangenschutz ausgestattet. Mit dem 2.400 mm langen Löffelstiel werden eine Reichweite von 6.300 mm und eine Grabtiefe von 2.700 mm erreicht. Die Einsatzhöhe beträgt 4.000 mm. Die Maschine entwickelt am mitgelieferten Reißlöffel eine Losbrechkraft von 71 kN. Das Thema Arbeitssicherheit und Arbeitsplatzschutz hat bei Terex stets einen hohen Stellenwert. Anstelle eines Frontschutzgitters hat der 3.050 mm hohe Mobilbagger eine 15 mm dicke Kabinenfrontscheibe aus Polycarbonat, sodass der Fahrer einen ebenso sicheren wie freien Blick auf die Arbeitseinrichtung und die Abbaustellen hat. Der TW110-T ist mit einem 75-kW-Dieselmotor, einer automatischen Feuerlöschanlage und einer Notabschaltung am Heck bestückt. Eine Klimaanlage mit vorgeschaltetem Staubfilter sorgt unter Tage in der Kabine stets für eine angenehme Temperatur und gute Belüftung. Damit werden auch die hohen Anforderungen der Sachtleben Bergbau GmbH & Co. KG in puncto Staubbelastung am Arbeitsplatz erfüllt. Die automatische Motorabschaltung verhindert unnötige Abgas-Emissionen in der Grube und schützt den Dieselpartikelfilter.

Bauwerkskategorien

  • Über diese
    Datenseite
  • Product-ID
    4002
  • Erstellt am
    30.04.2012
  • Geändert am
    01.03.2016