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Vier gemeisterte Herausforderungen beim Bauen im Bestand mit Stahl

Bauen im Bestand hat Tradition und aus Expertensicht auch Zukunft – gerade weil heute damit zu rechnen ist, dass im innerstädtischen Bereich interessante Bauaufgaben mit besonderen Anforderungen warten. Eine solche war der Umbau des Albertinums in Dresden.

Aufgabe war es, die Tragkonstruktion, die im Wesentlichen aus zwei etwa 80 m langen Fachwerkträgern besteht und die mit allen Quer- und Längsträgern etwa 800 t wiegt, herzustellen und zu montieren.

Montagelogistik

Eine erste Herausforderung war zunächst eine Montagelogistik zu entwickeln, die die sehr beengten Platz- und Zufahrtverhältnisse berücksichtigte. Nach der Prüfung mehrerer Varianten haben sich die Experten von Müller Offenburg entschieden, im Innenhof ein komplettes Traggerüst zu erstellen, auf dem eine gleichzeitig als Arbeits- und Montageebene genutzte Bühne in ca. 25 m Höhe errichtet wurde. Da die zu montierenden Teile nur jeweils in einzelnen Stäben von außen auf die Montageebene gehoben werden konnten, war diese Ebene auch für den Lastfall von Materiallagerungen und für verschiedene Montagelastfälle zu bemessen. Als zweite Herausforderung kam hinzu, dass keine Montagelasten in die vorhandene alte Substanz des Albertinums eingeleitet werden durften. Alle diese Bedingungen wurden mit den am Bau beteiligten Ingenieuren abgestimmt und deren Einhaltung durch regelmäßige Setzungsmessungen am Raumgerüst und am Gebäude kontrolliert.

Keine zusätzliche Belastung für Tragwerk und Altbausubstanz

Der Zusammenbau und das Verschweißen erfolgten dann nach Abstimmung der verschiedenen Fachingenieure so, dass das berechnete Tragwerk und die Altbausubstanz nicht aus den teilweise hohen zusätzlichen Schweißspannungen heraus zusätzlich belastet wurden. In der Folge waren, um einen kontinuierlichen schweißtechnischen und auch terminlichen Fortgang der Arbeiten zu sichern, mehr als 20 Schweißer vor Ort, die durch einen extra vor Ort agierenden Schweißfachingenieur koordiniert und überwacht wurden. Auch diese dritte Herausforderung wurde gemeistert.

Spezielle Montagekonzepte

Die hohen Kräfte der stählernen Arche in den Baugrund abzuleiten, war eine vierte Herausforderung. Dazu wurden gemeinsam mit den Planern Stahlkonstruktionen entwickelt, die erstens geschossweise eingebaut werden konnten, zweitens die Altbausubstanz nicht statisch belasteten und gleichzeitig ausreichend Querstabilität boten. Auch für diese Bauteile wurden von Müller Offenburg spezielle Montagekonzepte entwickelt.

Diese und andere Erfahrungen beim Projekt Albertinum haben dem Müller Offenburg-Team und wohl auch den Ingenieuren des Auftraggebers gezeigt, dass es einer oftmals ungewohnten Herangehensweise bei der Konzeption und Montage einer komplexen Stahlkonstruktion in einer bestehenden zu schützenden Altbausubstanz bedarf.

Letztlich wurde die Stahlarche erfolgreich abgesenkt und verankert. Das Team von Müller Offenburg ist überzeugt davon, dass sie ähnlich wie ihre biblische Namensvetterin, die seinerzeit Noah und seine Familie vor der Sintflut bewahrte, ihrer Aufgabe dauerhaft – wie geplant – gerecht wird.

Dipl.-Ing. Michael Steeger

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Dresden, Sachsen, Deutschland (1563)

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  • Erstellt am
    10.10.2012
  • Geändert am
    11.12.2014