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Wohn- und Geschäftshaus in Berlin-Mitte: Bau-Skulptur aus Leichtbeton

Mit dem neuen Wohn- und Geschäftshaus am Berliner Rosa-Luxemburg-Platz konzipierte Architekt Roger Bundschuh mit der Künstlerin Cosima von Bonin einen skulpturalen, wie aus einem Block geschnittenen Bau. Für die besondere Ausstrahlung des Objekts sorgt auch die Fassade in schwarzer Sichtbeton-Optik aus Leichtbeton, dessen besondere bauphysikalischen Eigenschaften auch erst die Umsetzung der komplexen Gebäudegeometrie ermöglichten.

Wie aus einem schweren Block herausgeschnitten wirkt das sechsgeschossige Wohn- und Geschäftshaus, das seit dem vergangenen Jahr am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin steht. Mit seinen übereinander gestapelten und ineinander geschachtelten Volumina besitzt das monolithische Objekt in schwarzer Sichtbeton-Optik eine kubistische Anmutung, gleichzeitig strahlt es durch seine weit auskragenden Bauteile auch eine gewisse Leichtigkeit aus. Das insgesamt ca. 2060 m² große Gebäude wurde von Architekt Roger Bundschuh mit der Künstlerin Cosima von Bonin entworfen, Auftraggeberin war die Immobiliengesellschaft Albion mbH in Berlin. Das Haus bietet Platz für zahlreiche Läden- und Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss sowie für neun Wohnungen, die sich mit ihrem besonderen Schnitt speziell an Kunstsammler richten. Die helle, weiß gehaltene Inneneinrichtung steht dabei in scharfem Kontrast zur dunklen Gebäudefassade, die von einer strengen und konsequenten Schlichtheit geprägt ist. "Der schwarze monolithische Sichtbetonbau bezieht seine Kraft aus dem Zusammenspiel der rauen, großflächig geschlossenen Oberflächen und den hohen, lichtdurchströmten Innenräumen", erklärt Roger Bundschuh.

Fassadenschale aus Leichtbeton

Eines der Highlights des neuen Gebäudes ist seine schwarze Fassade in fugenloser Sichtbeton-Optik. Gleichzeitig galt es aufgrund der anspruchsvollen Architektur mit Auskragungen von über 12 m, einen besonders leichten und tragfähigen Beton zu finden, der zudem die Anforderungen an eine möglichst dunkle und gleichmäßige Oberfläche ohne Kalkausblühungen, Lunkerbildungen oder glänzende Stellen optimal erfüllt. Aus bauphysikalischen und statischen Gründen wurde eine zweischalige Außenwandkonstruktion mit Kerndämmung gewählt, wobei aus Gewichtsgründen die äußere Schale nur durch einen Leichtbeton realisiert werden konnte. Für die Wahl des richtigen Leichtbetons mussten die Anforderungen an Festigkeit, Gewicht und Herstellbarkeit berücksichtigt und daraus das optimale Verhältnis zwischen Betongüte und Vorsatzschalendicke ermittelt werden. Die strenge, dunkle Gebäudefassade regt zusammen mit der ungewohnten und kompromisslosen Form und Materialität zur Reflexion über das Gesehene an.

Schwarze Sichtbeton-Optik

Die Lösung bot ein Liapor-Leichtbeton LC16/18 mit einer Trockenrohdichte von 1400 kg/m³, bestehend aus einer Liapor-Gesteinskörnung F 4,5 2-10 mm und Liapor K-Sand 0-2 mm. Entwickelt wurde die Grundrezeptur in Zusammenarbeit von Liapor GmbH & Co. KG und FBL Fläming Baustoff-Labor GmbH in Treuenbrietzen, wo unterschiedliche Zementsorten, Färbemittel und Ausgangsstoffe erprobt wurden. Ziel war die Entwicklung eines möglichst dunklen Leichtbetons mit einer gleichmäßigen Oberfläche, wobei auch die bauphysikalischen Parameter wie Druckfestigkeit und Rohdichte berücksichtigt werden mussten. Die Einfärbung wurde dabei durch die Beimengung einer lichtechten, pigmenthaltigen Flüssigfarbe erreicht, die nach der Fertigstellung der Mischung mittels einer Dosieranlage in die Mischfahrzeuge am Betonwerk zugegeben wurde.

Saugende Schalhäute

Insgesamt wurden beim Bau des Objekts an der Linienstraße ca. 400 m³ schwarz eingefärbter Liapor-Leichtbeton verbaut. Er bildet die ca. 20 cm dicke Außenhaut des Gebäudes, darunter befinden sich eine 8 cm dicke Wärmedämmung aus Styrodur und die ca. 24 cm dicke Innenwand aus Normalbeton. Das Labor der Lichtner-Dyckerhoff Beton GmbH in Berlin, die für die Fertigung und Lieferung des Leichtbetons zuständig war, entwickelte die finale Produktionsrezeptur. Den Einbau und die Verdichtung des Sichtbetons übernahm die Berliner BSS Beton-System-Schalungsbau GmbH in enger Abstimmung mit den Betonexperten der Lichtner-Dyckerhoff Beton GmbH, die auch jede Fuhre des Liapor-Leichtbetons vor Transport und Einbau auf seine Leistungsfähigkeit überprüfte. Um eine den Vorgaben entsprechende Sichtbeton-Oberfläche zu erhalten, kamen saugende, werksseitig vorgeölte Schalhäute zum Einsatz. Die einzeln zugeschnittenen Holzwerkstoffplatten gewährleisteten auf einer Gesamtfläche von ca. 2500 m² die Bildung einer porenarmen, gleichmäßig matten Oberfläche. Nach dem Ausschalen wurden die Betonoberflächen noch hydrophobiert. Das Resultat ist eine gleichmäßig dunkle Sichtbeton-Oberfläche, die trotz des schlichten Materials für Dynamik und Leichtigkeit sorgt und gleichzeitig den skulpturalen Charakter des Gebäudes betont.

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Berlin-Prenzlauer Berg, Pankow, Berlin, Deutschland (2010)

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    3739
  • Erstellt am
    30.04.2012
  • Geändert am
    10.03.2016